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    Osteuropa

Die rheinland-pfälzische Auswanderung nach Russland im 18. und 19. Jahrhundert

Einleitung

1. Gründe für die Emigration

Wie in der Einführung zur Auswanderung geschildert, gab es verschiedene Gründe, weswegen Deutsche in der Zeit vom 18. und 19. Jahrhundert ihre Heimat verließen.

Politische Begebenheiten waren ein Faktor, der für die Emigration verantwortlich war. Vor allem die Länder des Oberrheins hatten im 17. und 18 Jahrhundert unter Kriegen zu leiden, so zum Beispiel unter dem Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688-1697). Ein Jahrhundert danach rückten Französische Truppen in Oberdeutschland ein und  besetzten unter anderem das Rheintal. Nur wenige Jahre später (1803-1806) wurde die Kurpfalz aufgeteilt und die rechtsrheinischen Gebiete mit Heidelberg, Mannheim und Bruchsal an Baden abgetreten. Diese Umstände hatten die größte Emigration aus diesen Regionen nach Russland zu Folge.

Überdies ergaben sich aus den Kriegen, Besetzungen etc. auch wirtschaftliche Probleme, welche durch Missernten und Steuererhöhungen erschwert wurden.

Allerdings ist anzumerken, dass in der Region des heutigen Rheinland-Pfalz religiöse Motive weniger den Anlass zur Auswanderungen gaben, wie es zum Beispiel in Württemberg der Fall war. Werbende Briefe und Berichte von bereits Emigrierten trugen hingegen weit mehr dazu bei, dass Deutsche aus ihrem Heimatland emigrierten.

 

2. Russlands Immigrationspolitik

Mit Katharina II. - auch Katharina die Große genannt - von Russland (1762-96) beginnt die planmäßige und gelenkte Ansiedlung. Am 22. Juli 1763 erließ sie ein detailliertes Manifest, welches erfolgreich war. Die bedeutendsten Punkte in diesem waren unter anderem: die Befreiung vom Militärdienst, freie Religionsausübung, die Befreiung von Steuern (10 Jahre in der Stadt; 10 bis 30 Jahre auf dem Land), eine eigene Gemeinde- und Schulverwaltung etc. Um diese öffentliche Erklärung besser durchsetzen zu können, wurden staatliche Auswanderungsagenten eingesetzt, welche weitere Einwanderungsinteressenten werben sollten. Dabei verschwiegen sie zum Beispiel, dass die Immigranten in gefährdeten Gebieten, wie an der Wolga, angesiedelt werden sollten. Auch die Zusicherung, dass man Wohnort und Beruf frei wählen dürfe, wurde nicht gehalten. Trotz dieser Gegebenheiten und der Tatsache, dass in einigen deutschen Ländern ein Auswanderungsverbot ausgesprochen wurde, setzte sich die Emigration nach Russland weiter fort.

Zar Alexander I. (1801-1825) übernahm das Werk von Katharina der Großen und förderte die Ansiedlung von Deutschen in Südrussland. Doch auch jetzt war es den Immigrationswilligen nicht ohne Weiteres möglich, nach Russland zu reisen und hier ein neues Leben zu beginnen. An diese Möglichkeit waren verschiedene Bedingungen geknüpft: sie mussten sich bei dem russischen diplomatischen Vertreter melden, ein Mindestvermögen von 300 Gulden nachweisen und oft wurde zudem ein Leumundszeugnis von ihnen verlangt. Dabei wurden Ehepartner, vor allem mit Kindern, bevorzugt in das Land eingelassen, weil diese mit den wirtschaftlichen Verhältnissen besser zu Recht kommen würden. Erschwerend kam hinzu, dass nur eine festgelegte Zahl an Immigranten jährlich nach Russland ziehen durfte.

 

Nachweise

Verfasserin: Julia Semeras