Das „Brasilienlied“

In den Dörfern des Hunsrücks und der Pfalz verabschiedeten sich damals viele mit dem sogenannten Brasilienlied, dessen Melodie zu jener Zeit auch von manchem Drehorgelspieler zum Besten gegeben wurde:

1.Wir treten jetzt die Reise,
Zum Land Brasilien an.
Sei bei uns Herr und weise
Ja mache selbst die Bahn.
Sei bei uns auf dem Meere,
Mit gnadenreicher Hand,
So kommen wir ganz sicher,
In das Brasilien-Land.

2.Durch Gott sind wir berufen,
Sonst käm's uns nie in Sinn.
So glauben wir und wandern
Auf sein Geheiß dahin.
Gott führt uns auf dem Meere
Mit seiner Vaterhand,
So kommen wir ganz sicher
In das Brasilienland.

4. Gott schütz Brasiliens Kaiser,
In seinem Lebenslauf.
Und kröne ihn mit Seegen,
Er nimmt uns willig auf.
Er will uns auch beschützen,
Mit gnadenreicher Hand,
So gehen wir mit Freuden
In das Brasilienland.

7.Jetzt geht das Schiff in's Meere
Bald ist es in dem Lauf,
So falten wir die Hände,
Zu Gott seh'n wir hinauf.
Er wolle uns beschützen,
Mit seiner Vaterhand,
So sind wir froh und fahren
Jetzt nach Brasilienland.

9. Die Freudenthränen fließen,
Vom Aug auf unsern Schooß,
Nach überstandenen Leiden,
Ist unsere Freude groß.
Bald läuft das Schiff in Hafen,
Bald treten wir auf's Land.
Gott hat uns wohl begleitet,
Mit seiner Vaterhand.

10. Willkommen spricht der Kaiser
Willkommen seid ihr mir.
Ihr sollt Antheil bekommen
An meines Landsrevier.
Ich will euch wohl beschützen,
Mit gnadenreicher Hand,
Ihr meine Unterthanen,
In dem Brasilienland.

11. Ach majestät'scher Kaiser,
Zu Füßen fallen wir;
Ja ja wir huldigen Treue,
So lang wir leben hier.
Gott höre unser Flehn,
Nimm unsere Seufzer auf,
Was wir allhier geloben,
Gott drück das Siegel drauf.

12.So sind wir nun verbunden,
In das Brasilienland.
Ach Vater bleibe bei uns
Mit deiner Vaterhand.
Versorge uns mit Nahrung
Sey bei uns in der Noth,
Verlaß uns nicht in Leiden,
Verlaß uns nicht im Tod.

Das Lied findet sich erstmals in einem handgeschriebenen Liederbuch aus Berschweiler/Wiesweiler bei Lauterecken und wurde dort 1825 von Peter Molitor aufgezeichnet. Es soll auf die Melodie „Frisch auf zum frühen Jagen“ gesungen worden sein.

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Verfasser: Roland Paul

Redaktionelle Bearbeitung: Dominik Kasper