Der Verband deutschbrasilianischer Kulturvereinigungen

Nach dem Zweiten Weltkrieg dauerte es einige Jahre, bis sich die Deutschstämmigen wieder zu ihren Festen zusammenfanden. Im Jahre 1951 wurde der Verband deutschbrasilianischer Kulturvereinigungen mit Sitz in Porto Alegre gegründet. In der Satzung heißt es über die Aufgaben des Verbandes u.a.:

  1. Durch Kulturaustausch Vermittlung der deutschen Kulturwerte in Brasilien und der brasilianischen Kultur in den europäischen Ländern deutscher Sprache;
  2. Aufruf und Ansporn zur Erlernung der deutschen Sprache;
  3. Planung und Veranstaltung in- und ausländischer Künstlergruppen;
  4. Erhaltung und Erneuerung des historischen und künstlerischen Erbgutes während der deutschen Einwanderung und Kolonisation;
  5. Annahme des Tages 25. Juli als „Tag des Einwanderers“, Veranstaltung von Ehrungen und Feierlichkeiten bezüglich dieses Tages.
  6. Einrichtung einer Bibliothek und eines Archivs.
Trachtengruppe und Jahresfeier
Die offiziellen Feiern zum 150. Jahrestag der deutschen Einwanderung nach Rio Grande do Sul im Jahre 1974 und die Teilnahme des damaligen rheinland-pfälzischen Kultusministers Dr. Bernhard Vogel an den Feierlichkeiten, waren wichtige Auslöser für Begegnungen zwischen Pfälzern und Hunsrückern diesseits und jenseits des Meeres.

Der Verband baute in den folgenden Jahren ein eigenes großes Vereinshaus, gründete einen Chor und eine Trachtentanzgruppe. Die offiziellen Feiern zum 150. Jahrestag der deutschen Einwanderung nach Rio Grande do Sul im Jahre 1974 und die Teilnahme des damaligen rheinland-pfälzischen Kultusministers Dr. Bernhard Vogel an den Feierlichkeiten, waren wichtige Auslöser für Begegnungen zwischen Pfälzern und Hunsrückern diesseits und jenseits des Meeres. Großen Anteil an dem gegenseitigen Austausch hatte seinerzeit Karl Faller. Er brachte 1979 unter dem Titel „Fernweh nach Brasilien – Heimweh in den Hunsrück“ einen historischen Roman heraus, der das Kolonistenschicksal der beiden Freunde Michel Klumb und Adam Schneider, die aus Reich im Hunsrück stammten und um 1845 nach Brasilien auswanderten. Der Hunsrück hat den Kontakt zu den deutschen Siedlungen im Süden Brasiliens wohl am meisten gepflegt. Aber auch zwischen der Pfalz und Rio Grande do Sul bestehen seit über 30 Jahren sehr gute Kontakte. 1978 kam zum ersten Mal die Gaucho Sing- und Tanzgruppe aus Porto Alegre in die Pfalz. Sie nennt sich heute „Espresso 25“ und wurde mit einem hohen brasilianischen Musikpreis ausgezeichnet. Einige, die heute hier sind, erinnern sich sicher an die eindrucksvollen Konzerte, die dieser Chor vor drei Jahren an verschiedenen Stätten in Rheinland-Pfalz gegeben hat. Die Mitglieder der Gruppe waren bei ihren Besuchen stets alle privat untergebracht. Dadurch sind viele Freundschaften entstanden, die zum Teil noch heute aufrecht erhalten werden. Umgekehrt haben viele Gruppen aus dem Hunsrück, dem Saarland (ich denke vor allem an die Kontakte zwischen St. Wendel und São Vendelino) und der Pfalz die deutschen Siedlungen in Brasilien besucht.

Ein regelrechter Kulturaustausch ist in Gang gekommen. Erwähnt werden sollte stellvertretend auch das große Engagement von Herrn Mayer von der Volksbank Simmern, der die auf Portugiesisch erschienenen Arbeiten des Heimatforschers Engelmann übersetzen ließ und eine deutsche Ausgabe ermöglicht hat. Begrüßenswert ist auch, dass die deutsche Sprache in vielen Schulen längst wieder als Fremdsprache unterrichtet wird, wie hier in Nova Petropolis.

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Verfasser: Roland Paul

Redaktionelle Bearbeitung: Dominik Kasper