Die Auswanderung ins koloniale Nordamerika (im 17. und 18. Jahrhundert)

Anfänge der pfälzischen Nordamerikaauswanderung

Die Anfänge der Auswanderung aus der Pfalz - hiermit ist die historische Landschaft gemeint, die neben der heutigen gleichnamigen Region auch Teile Rheinhessens, des Hunsrücks und die Gebiete um Heidelberg und Mannheim umfasst – liegen in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648).[Anm. 1] In diesem Krieg verloren viele Menschen ihr Leben durch Hunger, Seuchen oder durch plündernde Soldaten. Andere flohen in vom Krieg verschonte Gebiete. Insgesamt dürfte die Bevölkerung der Kurpfalz bis Kriegsende um 75 bis 80 Prozent zurückgegangen sein.

Nach dem Westfälischen Frieden bemühten sich die Landesherren um den Wiederaufbau ihrer Territorien. So forderte der pfälzische Kurfürst Karl Ludwig seine Untertanen zur Rückkehr auf und suchte durch eine tolerante Bevölkerungspolitik sein Land zu ‚repeuplieren’. Viele Neusiedler aus Nachbargebieten sowie den spanischen Niederlanden, der Schweiz, Tirol und Frankreich folgten in den nächsten Jahrzehnten seiner Einladung. Der Wiederaufbau vollzog sich jedoch aufgrund wirtschaftlicher Probleme und anhaltender kriegerischer Verwicklungen recht schleppend. Handel und Gewerbe waren durch zahlreiche Binnenzölle stark beeinträchtigt, und Missernten und Überschwemmungen führten oft zu prekären ökonomischen Verhältnissen.[Anm. 2]

Die Früchte des Wiederaufbaus in der Pfalz wurden vier Jahrzehnte später größtenteils zunichte gemacht. Ludwig XIV. betrachtete den Gewinn des gesamten linken Rheinufers als eines seiner politischen Ziele, daher war die Pfalz wiederholt von Übergriffen betroffen. Am dramatischsten war die Lage im so genannten Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688/89-1697), als französische Truppen das Land besetzten. Heidelberg, Mannheim, Speyer, Worms, Alzey und viele andere Städte und Dörfer wurden gebrandschatzt und Burgen geschleift. Große Teile der Bevölkerung waren wiederum auf der Flucht. Mit Verbitterung sahen zahlreiche Untertanen weiterhin, dass die seit 1685 regierenden Kurfürsten aus der Linie Pfalz-Neuburg die katholische Minderheit – oft handelte sich um mittellose Zuwanderer – begünstigten.

Zunächst waren es Neusiedler, die aufgrund der unsicheren Lage auswanderten. Bereits 1660 ließen sich französische Hugenotten, die zuvor in Mannheim Zuflucht gefunden hatten, am Hudson River in der englischen Kolonie New York nieder.[Anm. 3] Gemeinsam mit späteren Zuwanderern gründeten sie 1677 eine Siedlung, die sie zu Ehren ihrer ersten Zufluchtsregion New Paltz nannten. Einige Jahre später wanderten die ersten pfälzischen Mennoniten auf Einladung des Quäkers William Penn in dessen Kolonie Pennsylvania aus, worauf noch einzugehen sein wird.

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Verfasser: Helmut Schmahl

Redaktionelle Bearbeitung: Dominik Kasper

Anmerkungen:

  1. Nachstehende Angaben zur kurpfälzischen Landesgeschichte stützen sich, wenn nicht anders angegeben, auf Mainrad Schaab: Geschichte der Kurpfalz. Bd. 2. Stuttgart 1992, S. 121-122. Zurück
  2. Vgl. Scherer, „ist in Pennsylvanien gezogen sein Glück zu machen.“ – Eine Skizze zur Geschichte der pfälzischen Auswanderung nach Nordamerika im 17. und 18. Jahrhundert. In: Roland Paul / Ders. (Hrsg.): Pfälzer in Amerika . Kaiserslautern 1995, S. 16. Zurück
  3. Vgl. Scherer, Skizze, S. 18-19. Zurück