Siedlungsverhalten rheinland-pfälzischer Einwanderer im 19. Jahrhundert

Die Besiedlung der Vereinigten Staaten erfolgte im 19. Jahrhundert in atemberaubendem Tempo. Bis zum weitgehenden Abschluss der euroamerikanischen Landnahme– 1890 gab die Zensusbehörde bekannt, dass die USA vollständig besiedelt seien – folgten Deutsche der allgemeinen Westwärtsbewegung.[Anm. 1] Die Masse ließ sich in den Nordatlantikstaaten sowie den westlich angrenzenden Gebieten nieder. Die wirtschaftlichen Zentren des Nordostens mit ihrem großen Bedarf an Arbeitskräften waren ebenso attraktiv wie das riesige fruchtbare Gebiet des Mittleren Westens, wo sie in Stadt und Land gleichermaßen zu finden waren. Zudem entsprach das Klima in diesem Teil der USA am ehesten mitteleuropäischen Verhältnissen.[Anm. 2]

1870, nachdem die Auswanderung aus dem heutigen Rheinland-Pfalz ihren Höhepunkt überschritten hatte, lebten in den Staaten an der Atlantikküste rund 630.000 Deutschgebürtige bzw. 37% ihrer Volksgruppe.[Anm. 3] Den weitaus größten Anteil hiervon hatte der Staat New York (317.000 Personen), wo jeder fünfte deutsche Einwanderer ansässig war. In der gleichnamigen Hafenmetropole bevölkerten sie ganze Bezirke (Little Germanies), und sie stellten auch einen Großteil der Bevölkerung der aufblühenden Industriestädte am Eriekanal wie Buffalo, Rochester und Syracuse. Pennsylvania blieb ebenfalls ein beliebtes Ziel deutscher Immigranten, dort betrug 1870 ihre Zahl 160.000 Personen. Der Anteil der dortigen deutschstämmigen Bevölkerung war jedoch bedeutend höher.

937.000 Personen, mehr als die Hälfte der deutschen Einwanderer, lebten 1870 im Mittleren Westen. In den bevölkerungsreichsten Staaten Illinois und Ohio stellten sie mit 204.000 bzw. 183.000 Einwanderern die zahlenmäßig stärksten Kontingente. Auch waren sie die größte ethnische Gruppe in wenig dicht besiedelten Landstrichen, vor allem im unteren Mittleren Westen. Aus den weiter nördlich gelegenen Staaten ragt Wisconsin heraus. 162.000 Deutschgebürtige prägten das dortige Bevölkerungsbild wesentlich deutlicher als ihre Landsleute in den Nachbarstaaten Iowa (66.000) und Michigan (64.000). Der westlich des Mississippi gelegene Staat Missouri mit der Stadt St. Louis wies mit 114.000 Deutschen ein weiteres beachtliches Kontingent auf.

Im Süden der Vereinigten Staaten ließen sich im 19. Jahrhundert nur wenige Deutsche nieder. 1870 lebte lediglich jeder zwanzigste Deutschgebürtige dort. Das dortige Klima schreckte viele Einwanderer ab, überdies gab es in vielen Gebieten angesichts der mit Sklaven betriebenen Plantagenwirtschaft wenig Bedarf an Immigranten. Ausnahmen bildeten lediglich Kentucky mit 30.000 Deutschen, insbesondere in den unmittelbar am Ohio gelegenen Bezirken, Texas (24.000) sowie Louisiana (19.000). In Texas stellten Auswanderer aus dem Westerwald und der Eifel starke Kontingente.[Anm. 4] New Orleans, die Metropole Louisianas, wies eine große Kolonie pfälzischer Einwanderer auf, zu der u. a. der Gouverneur und Kongressabgeordnete Georg Michael Hahn (* 1830 Landau) zählte. Noch seltener als in den Südstaaten waren Deutsche im Gebiet zwischen den Rocky Mountains und dem Pazifik anzutreffen. Lediglich Kalifornien wies mit 30.000 deutschen Immigranten 1870 eine beachtliche Zahl auf.

Tabellarische Übersicht - Deutschgebürtige Siedler 1870 in den USA

US-Bundesstaat Anzahl der deutschgebürtigen Siedler
New York 317.000
Illinois 204.000
Ohio 183.000
Wisconsin 162.000
Pennsylvania 160.000
Missouri 114.000
Iowa 66.000
Michigan 64.000
Kalifornien 30.000
Kentucky 30.000
Texas 24.000
Louisiana 19.000

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Verfasser: Helmut Schmahl

Redaktionelle Bearbeitung: Dominik Kasper

Anmerkungen:

  1. Vgl. die Übersicht bei Rößler, Massenexodus,, S. 157-161. Zurück
  2. Vgl. Schmahl, Verpflanzt, S. 111. Zurück
  3. Zu den Censusdaten von 1870 vgl. die Tabelle bei Schmahl, Verpflanzt, S. 408-409. Zurück
  4. Zur Texasauswanderung vgl. bspw. Jerry G. Jordan: German Seed in Texas Soil: Immigrant Seed in Texas Soil: Immigrant Farms in Nineteenth-Century Texas. 4. Auflage, Austin 1994. Zurück