Vereinswesen

Ebenso wie in Deutschland schlossen sich viele Immigranten in den USA zu Vereinen zusammen. Man pflegte die Geselligkeit unter Landsleuten und ging gemeinsamen Neigungen nach. Hauptsächlich handelte es sich hierbei um Turn-, Gesang- und Unterstützungsvereine.[Anm. 1] In den deutschen Stadtvierteln von New York, Milwaukee, Cincinnati, St. Louis entstanden weiterhin Vereinigungen, die sich dem Theater-, Musik- und Bildungswesen widmeten. Initiatoren waren oft Intellektuelle, die Deutschland nach dem Scheitern der Revolution von 1848 verlassen hatten.

Besonders landsmannschaftliche Vereine boten Neuankömmlingen gute Möglichkeiten zur Integration. Das Spektrum reichte vom Rheinpfälzer Volksfestverein New York über den Mainzer Carnevalsverein von New York, den Rheinpfälzischen Unterstützungsverein Cincinnati bis hin zum Pfälzer Bund von St. Louis.[Anm. 2] Die von ihnen veranstalteten bierseligen Feste wie der Dürkheimer Wurstmarkt oder die Edesheimer Kerwe in Milwaukee erfreuten sich großer Beliebtheit.[Anm. 3]

Vereine und Feste trugen maßgeblich zur Entstehung eines deutschamerikanischen Bewusstseins bei. So stellte Franz Löher 1847 in Hinblick auf Cincinnati, wo Pfälzer eine Hauptgruppe der deutschen Bevölkerung darstellten, fest: „Allen Deutschen, nicht nur in Ohio, sondern im ganzen Staatenbunde, leuchten ihre Landsleute zu Cincinnati vor, bei diesen ist das deutsche Leben am regsten und am fröhlichsten. Da sie sie ihre weitgedehnten Stadttheile für sich bilden, so fühlen sie kein Bedürfniß und keine Eitelkeit, mit den Englischen anders als in Geschäften und Stadtangelegenheiten zu verkehren.“[Anm. 4]

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Verfasser: Helmut Schmahl

Redaktionelle Bearbeitung: Dominik Kasper

Anmerkungen:

  1. Vgl. Harzig, Lebensformen, S. 168-169. Zurück
  2. Vgl. Paul, Auswanderungen, S. 80. Zurück
  3. Vgl. Schmahl, Verpflanzt, S. 284. Zurück
  4. Franz Löher: Geschichte und Zustände der Deutschen in Amerika. Cincinnati 1847, S. 330. Zurück