Die Auswanderung aus Alsenborn

Alsenborn, strategisch günstig an einer alten römischen Heerstraße gelegen, ist heute kaum 12km entfernt von Kaiserslautern. Um 1618 lebten an die 130 Menschen in Alsenborn. Während dem 30-jährigen Krieg verfolgten die kaiserlichen Truppen unter Gallas die Schweden nach der Schlacht von Nördlingen. Bei der Belagerung von Kaiserslautern wurde Alsenborn von der Soldateska völlig verwüstet, 1648 lebten vermutlich nur noch 25 Menschen dort. Der Kurfürst Karl Ludwig (1617–1680) entwickelte daraufhin im Sinne der frühneuzeitlichen Peuplierungstheorie eine intensive Siedlungspolitik und holte viele neue Bewohner aus Frankreich und der Schweiz nach Alsenborn, darunter auch etliche Mennoniten.

Der Pfälzische und der Spanische Erbfolgekrieg brachten erneut den Krieg in den Pfälzer Wald, dessen einziger Reichtum das Holz und der Sandstein war. Aus dem Jahr 1732 ist uns die erste Auswanderung nach Ungarn überliefert, dem folgten viele weitere, beispielsweise in das Temescher Banat. Vereinzelt wurde die Binnenwanderung innerhalb des Heiligen Römischen Reiches gefördert, so kamen auch einige Familien aus Alsenborn nach Brandenburg, Pommern und sogar Ostpreußen.

Der erste Nachweis für eine Emigration nach Amerika ist in das Jahr 1730 datiert. Die Amerikaauswanderung aus Alsenborn erlebte, wie in der ganzen Pfalz, Mitte des 19. Jahrhunderts einen Boom. Zwischen 1843 und 1852 emigrierten ganze 385 von ca. 2.000 Bewohnern aus ihrem kleinen Dorf. Die schweren finanziellen Belastungen während der Revolutionskriege und die um sich greifende Pauperisierung der Westpfalz unter der bayerischen Herrschaft führten zu einer großen Armut in Alsenborn. Als 1846/47 eine große Missernte und 1852 bis 1854 sogar der Hungertyphus die Gegend heimsuchten, reagierten viele Bewohner in ihrer Not mit der Auswanderung aus Alsenborn.

Alsenborn ist der Geburtsort von Johann Peter Müller (1709–1796), dem zweiten Abt des Klosters Ephrata, nahe der Handelsmetropole Ephrata, die hauptsächlich von Mennoniten und Amisch im Dutch-Gebiet, Pennsylvania, erbaut wurde. Einen weiteren Vorfahren hat Maria Shriver Kennedy, die Ex-Ehefrau von Arnold Schwarzenegger, in Alsenborn. Andrew Shriver (1712–1797) verließ die Pfalz 1721 und siedelte am Schuylkill Fluss, später in der Conewago Region in Pennsylvanien. Sein Sohn David Shriver (1735–1826) zog nach Frederick County, Maryland.

Nachweise

Bearbeitung: Yves V. Grossmann und Dominik Kasper

 

Verwendete Literatur:

  • Christmann, Ernst: Dörferuntergang und -wiederaufbau im Oberamt Lautern während dem 17. Jahrhundert; mit über 200 Einwohnerlisten, Otterbach-Kaiserslautern 1960 (=Schriften zur Geschichte von Stadt und Landkreis Kaiserslautern 1).
  • Aus Enkenbachs Vergangenheit — Grundlegung einer Orts-Chronik. Gleichzeitig ein Beitrag zu der Ortsgeschichte von Alsenborn u. der Heimatgeschichte der Nordpfalz, hrsg. von Friedrich W. Weber, Kaiserslautern 1960, 2. Auflage.
  • Grasmück, Gisela: Artisten in Alsenborn von Mitbürgern und Außenseitern — Sozialhistorische Mikroanalyse einer mobilen Bevölkerungsgruppe, Mainz 1993 (=Studien zur Volkskultur in Rheinland-Pfalz 15), zugl. Diss. Mainz 1993.
  • Häberle, Daniel: Auswanderung und Koloniegründungen der Pfälzer im 18. Jahrhundert. zur zweihundert jährigen Erinnerung an die Massenauswanderung der Pfälzer (1709) und an den pfälzischen Bauerngeneral Nikolaus Herchheimer den Helden von Oriskany (6 August 1777), Kaiserslautern 1909.
  • Kißener, Michael: Kleine Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz, Leinfelden-Echterdingen 2006.
  • Landkreis Kaiserslautern, bearb. von Kurt Reh, Friedrich L. Wagner, Klaus P. Westrich, Bon 1968 (= Heimatführer der deutschen Landkreisen 1).

 

Weitere Informationen wurden von dem Deutsch-Pennsylvanischen Arbeitskreis e. V. (DPAK) zusammengetragen und zur Verfügung gestellt.

Erstellt: 16.06.2011