Die Auswanderung aus Bernkastel-Kues

Die Stadt Bernkastel-Kues liegt am Ufer der Mittelmosel, 40 Kilometer von Trier entfernt und relativ gesehen in der Mitte des Bundeslands Rheinland-Pfalz. Für den heutigen Kurort im Moseltal sind schon aus vorrömischer Zeit menschliche Siedlungen bezeugt. Die erste urkundliche Erwähnung findet der Stadtteil Bernkastel an der Wende des ersten nachchristlichen Jahrtausends. Der Ort gewann während des Mittelalters an strategischer Bedeutung, mehrere Burgenbauten verschiedener Herrscher zeugen davon. 1291 verlieh daher der erste habsburgische Kaiser Rudolf I. Bernkastel das Stadtrecht. In dem heutigen Stadtteil Kues – seit dem Zusammenschluss 1905 mit Bernkastel zu einer Stadt verbunden – wurde der Theologe und Philosoph Nicolaus Cusanus (1401-1464) geboren.

Das Phänomen der Auswanderung ist für die heutige Stadt Bernkastel-Kues kaum bekundet, mit der demographischen Entwicklung verhält es sich ähnlich. Eine der ersten Katastrophen für den Ort war die Pestwelle in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, die 1569 in Bernkastel und im Nachbarort Wintrich grassierte. Wie alle süd-westlichen Regionen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation wurde auch die Moselregion während des Dreißigjährigen Krieges von verfeindeten Heeren heimgesucht. Nach Jahrzehnten der Entbehrungen, Einquartierungen und erneuten Pestepidemien lebten nur noch 600 Einwohner in Bernkastel. Das sind nur rund 50% der Bürger, die vor 1618 in Steuerlisten und Häuserzählungen aufgelistet wurden. Inwiefern dieser Bevölkerungsverlust durch den Tod oder eben die Emigration herrührt, lässt sich kaum mehr sagen.[Anm. 1] Im Jahr 1609 wurden beispielsweise in der Pfarrkirche Sankt Brictius insgesamt 340 Kommunionen verteilt, 1669 jedoch nur 262 und 1715 gar nur 250.[Anm. 2]. Deutlich ist hingegen, dass schon Mitte des 17. Jahrhunderts Bernkastel den alten Bevölkerungsstand von 1624 wieder erreichte. Der Pfälzische und später der Spanische Erbfolgekrieg machten um 1700 wieder alle Wiederaufbauerfolge nach dem Dreißigjährige zunichte und zwangen viele Bürger zur Emigration aus wirtschaftlicher Not.[Anm. 3]

Wie die Ströme der Auswanderer in dem rheinland-pfälzischen „Emigrationsjahrhundert“, nach dem Wiener Kongress 1815, in Bernkastel-Kues verliefen ist absolut unklar. Es spricht nichts gegen die Annahme, dass wie in vielen Orten und Gemeinden des Hunsrücks und an der Mosel, viele Menschen ihr Glück in der Auswanderung suchten. Im Jahr 1837 hatte Bernkastel-Kues insgesamt 1.977 Bürger[Anm. 4], 1864 zählte man 2.327[Anm. 5] und 4.541[Anm. 6]. Die Geschichte der Auswanderung seit 1800 für Bernkastel-Kues ist noch vollkommen unerforscht, birgt aber viel Potential.

Verfasser: Yves Vincent Grossmann

Verwendete Literatur:

Erstellt: 27.08.2012

Anmerkungen:

  1. Bernkastel-Kues, Festschrift zum Stadtjubiläum, Freckmann, Stadtausbau, S. 174f. Zurück
  2. Kremer, Kues, S. 15. Zurück
  3. Bernkastel-Kues, Festschrift zum Stadtjubiläum, Freckmann, Stadtausbau, S. 176; Steuer- und damit indirekt auch Einwohnerlisten sind ediert bei Schmitt, Cues, S. 222ff. Zurück
  4. Bernkastel-Kues, Festschrift zum Stadtjubiläum, Freckmann, Stadtausbau, S. 177. Zurück
  5. Ibid., S. 279. Zurück
  6. Bernkastel-Kues, Festschrift zum Stadtjubiläum, Knüpper, Stadtverfassung, S. 285. Für die genauere Stadtgeschichte im 20. Jahrhundert siehe Zeitenwende, Schaaf. Zurück