Die Auswanderung aus Cochem

Auswanderung war in der Geschichte des Mosellandes kein unbekanntes Phänomen. Im 12. und 14. Jahrhundert wanderten wohl zahlreiche Bewohner dieser Region nach Siebenbürgen. Im Jahre 1450 suchte sich gar die ganze Gemeinde Corray bei Zell eine neue Heimat im „Böhmerlande“. 1724 musste der Kurfürst, der Erzbischof von Trier, Maßnahmen gegen eine Massenauswanderung zahlreicher Untertanen nach Ungarn ergreifen.[Anm. 1]

Obwohl es also zahlreiche Nachrichten über Auswanderungen aus der Region des Mosellandes gibt, ist der Befund über die Stadt Cochem selbst wenig aussagekräftig. Die Stadt Cochem wurde 866 erstmals urkundlich erwähnt. Die Stadt und Burg gehörten später dem Pfalzgrafen bei Rhein, bis sie von Konrad III. als Reichslehen eingezogen wurden. 1294 wurde Cochem an den Trierer Erzbischof verpfändet.[Anm. 2] 1798 bis 1816 gehörte Cochem zu Frankreich, bevor es im Wiener Kongress Preußen zugeschlagen wurde.

Vergleichsweise kann die Auswanderung aus Mayen im Kontext der Auswanderung aus dem Moselland allgemein gesehen werden, wobei zu beachten ist, dass Städte häufiger weniger von der Auswanderung betroffen waren als ihr Umland. Der preußische Regierungsbezirk Trier, dem Cochem damals angehörte, wies Mitte des 19. Jahrhunderts die größte Abwanderungsrate aller preußischen Regierungsbezirke auf. Besonders von der Auswanderung betroffen war 1852 Zell an der Mosel. 132 Zeller, damals fast zehn Prozent der Bevölkerung, verließen die Stadt. Aus St. Aldegund wanderten im selben Jahr 44 Personen aus, zwei Jahre später waren es nochmal 22.  Diese Auswanderungswelle, die den ganzen Altkreis Cochem betraf, verebbte nach 1863. Im Schnitt wanderten in den zehn Jahren bis 1863 jährlich etwa zwei Prozent der Bevölkerung aus. Erst 1870 wurden Eifel und Hunsrück von einer letzten, aber relativ schwachen Auswanderungswelle betroffen, wobei diese Auswanderer hauptsächlich in Brasilien und Peru eine neue Heimat suchten.[Anm. 3]

Im Gegensatz zur Auswanderung im 19. Jahrhundert ist die jüdische Emigration genauer erforscht. Die Anwesenheit von Juden in Cochem ist zunächst für das Jahr 1242 bezeugt. Im späten 13. Und in den Pestjahren des 14. Jahrhunderts betraf die Judenverfolgung auch die Juden Cochems.[Anm. 4] Nachdem die Juden 1492, nach Abschluss der „Reconquista“, aus Spanien vertrieben worden waren, fanden einige der Verfolgten an der Mosel eine neue Heimat. 1861 wurde eine Synagoge errichtet.[Anm. 5] Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann die Zerstörung der jüdischen Gemeinde in Cochem. Einige Gemeindemitglieder konnten vor oder sogar während des Zweiten Weltkrieges fliehen, viele andere jedoch wurden ermordet. Nur wenige überlebten die Konzentrationslager. Die meisten Emigranten gingen, teilweise nach Umwegen über England oder Shanghai, in die USA, einige auch nach Palästina oder Südamerika.[Anm. 6]  

Verfasser: Christoph Schmieder

Verwendete Literatur:

 

  • Rettinger, Elmar (Bearb.): „Cochem“. In: Historisches Ortslexikon Rheinland Pfalz. Bd. 1. Ehemaliger Landkreis Cochem. Hg. von Alois Gerlich. Stuttgart 1985 (Geschichtliche Landeskunde; 27). S. 40-53.
  • Schleindl, Angelika: Spuren der Vergangenheit. Jüdisches Leben im Landkreis Cochem-Zell. Briedel 1996. 
  • Schommers, Reinhold: Die Notjahre um 1850 – oder: „Die Kunst zu überleben“. In: Mosel-Eifel-Hunsrück. Der Landkreis Cochem-Zell 1969-79. Hg. vom Landkreis Cochem-Zell. Cochem-Zell 1979. S. 169-178.

Erstellt: 26.07.2013

 

Anmerkungen:

  1. Schommers, S. 171. Zurück
  2. http://www.cochem.de/stadt/index.php?id=188  (letzter Zugriff: 16.07.2013) Zurück
  3. Schommers, S.171. Zurück
  4. Schleindl, S. 187. Zurück
  5. Rettinger, S. 45.  Zurück
  6. Schleindl, S. 189-207. Zurück