Die Auswanderung aus Landau

Landau, ehemalige Festungsstadt in der Südpfalz, wurde wohl im 13. Jahrhundert auf Geheiß Emichs IV. von Leiningen gegründet. Dieser wollte seine nahegelegene Burg Landeck durch eine vorgelagerte Befestigung absichern. Bereits 1274 erhielt Landau das Stadtrecht, 17 Jahre später wurde es in den Rang einer Reichsstadt erhoben. Von 1324 bis 1511 war es an den Bischof von Speyer verpfändet, bevor es 1521 Teil der Dekapolis, des elsässischen Zehnstädtebundes, wurde.[Anm. 1]

Während des 30-Jährigen Krieges wechselte Landau mehrmals den Besitzer. 1620 besetzten spanische Truppen, 1631 die Schweden, 1633 die Franzosen, 1636 die Österreicher und 1639 die Truppen Bernhards von Sachsen-Weimar die Stadt. Seuchen dezimierten die Bevölkerung. Mit den Friedensschlüssen von Münster und Osnabrück 1648 sowie dem Frieden von Nijmegen 1679 fiel Landau in den französischen Machtbereich.[Anm. 2]   

1687 begannen die Franzosen mit dem Bau der Festung, die bis 1691 fertiggestellt wurde. Von den Verwüstungen des pfälzischen Erbfolgekrieges blieb die Stadt dank ihrer französischen Herrscher verschont, im Spanischen Erbfolgekrieg wurde sie allerdings viermal belagert und erobert.[Anm. 3] Bereits 1708 wurde eine Gruppe von Auswanderern aus der Gegend von Landau, bei der englischen Königin Anne vorstellig. Sie begründeten ihre Entscheidung zur Auswanderung mit wiederholten Plünderungen durch französische Truppen und andauernder religiöser Bedrückung. Die Königin erlaubte ihnen daraufhin die Ansiedelung in der Kronkolonie New York.[Anm. 4] Im darauffolgenden Jahr, 1709, kam es dann zur ersten Massenauswanderung aus der Pfalz, wobei nicht festzustellen ist, wie viele der Auswanderer aus Landau und Umgebung stammten. Sicher scheint jedoch, dass diese Massenauswanderung stark mit einer vom Krieg verursachten wirtschaftlichen Not zusammenhing.   

Von 1713 bis 1816 befand sich Landau dann allerdings durchgehend in französischer Hand. Zwischen 1720 und 1791 verdoppelte sich die Einwohnerzahl der Stadt beinahe: Von 2700 auf 5078.[Anm. 5] Nach einem wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 1760er Jahre angedauert hatte, verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage in den folgenden Jahrzehnten erneut. Diese Abschwung scheint auch die Auswanderungsraten erhöht zu haben: 1809 erreichte die Auswanderung von Landauern auf die Krim ihren Höhepunkt.[Anm. 6]

Nach dem Wiener Kongress kam Landau zum Königreich Bayern. Zu großen Massenauswanderungen, wie sie im 19. Jahrhundert beinahe die ganze Pfalz kannte, kam es in Landau indes nicht. Es scheint, als ob die Festung und das dort stationierte Militär eine ausreichend stabile Lebensgrundlage für die Landauer bildeten. Allerdings wuchs die Bevölkerung, im Vergleich zum Rest der bayrischen Pfalz, auch nicht sehr stark: Von 5000 im Jahr 1823 stieg sie auf 6066 im Jahr der Reichsgründung, 1871. Die höchsten Auswandererraten wurden dabei in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts erreicht.[Anm. 7]   

Zwei bedeutende Landauer Auswanderer, die 1846 beziehungsweise 1850 in die USA emigrierten, waren Thomas Nast und Konrad Krez. Nast, der im Alter von sechs Jahren mit seiner Familie nach Nordamerika zog, wurde Amerikas bekanntester Karikaturist des 19. Jahrhunderts. Er fertigte über 3000 Zeichnungen an – und entwarf unter anderem die Symbole für die politischen Parteien in den USA (den republikanischen Elefanten und den demokratischen Esel) und den gemütlichen „Santa Claus“.[Anm. 8]

Krez, geboren 1828, beteiligte sich 1848 an der gescheiterten Revolution. Da ihm ein Todesurteil drohte, floh er über Frankreich und die Schweiz in die USA, wo er als Anwalt arbeitete und nebenbei dichtete. Als „politischer Auswanderer“ ist Krez allerdings kein typisches Beispiel eines Landauer Auswanderers. Man kann davon ausgehen, dass ein Großteil der Auswanderer die Stadt aus wirtschaftlichen Gründen verließ.[Anm. 9]

Ein letzter, nicht zu vernachlässigender Aspekt der Landauer Auswanderung ist die jüdische Auswanderung zur Zeit des Nationalsozialismus. Die jüdische Gemeinde Landaus konnte damals auf eine lange Geschichte zurückblicken. Bereits 1261 wird ein erster Landauer Jude erwähnt. 1511 wurden 10 jüdische Familien in der Stadt aufgenommen.[Anm. 10] Die jüdische Gemeinde wuchs in der Folgezeit stark an. Allerdings beendete die Nationalsozialistische Diktatur nach 1933 die beinahe 800-jährige Geschichte der Landauer Juden. Bereits im März 1933 hatte der Landauer Kreisleiter Kleemann den „Machenschaften des internationalen Judentums“ den Kampf angesagt. In der Folgezeit emigrierten viele Juden. Hatte die jüdische Gemeinde Landau 1932/33 noch 638 Mitglieder umfasst, waren es im Oktober 1940, dem Zeitpunkt der Deportation nach Gurs, nur noch 34.[Anm. 11] Viele der geflüchteten Juden hatten zunächst in den Nachbarländern Deutschlands Zuflucht gesucht. Als diese ihre Einwanderungspolitik änderten, wanderten die Verfolgten  vorrangig nach Palästina und Übersee.[Anm. 12]

Nachweise

Verfasser: Christoph Schmieder

Verwendete Literatur:

 

  • Heß, Hans: Konrad Krez – Ein deutscher Freiheitskämpfer und Poet in der Alten und Neuen Welt, in: Scherer, Karl (Hg.): Pfälzer – Palatines. Beiträge zur pfälzischen Ein- und Auswanderung sowie zur Volkskunde und Mundartforschung der Pfalz und der Zielländer pfälzischer Auswanderer im 18. und 19. Jahrhundert, Kaiserslautern 1981, S. 245-272.
  • Martin, Michael: Kleine Geschichte der Stadt Landau. Karlsruhe 2006.
  • Martin, Michael: Konrad Krez (1828 Landau – 1897 Milwaukee). In: Aufbruch nach Amerika 1709-2009 - 300 Jahre Massenauswanderung aus Rheinland-Pfalz, Ausstellung im Theodor-Zink-Museum Kaiserslautern, Kaiserslautern 2009 (=Schriften des Theodor-Zink-Museums 17). S. 109.
  • Martin, Michael: Thomas Nast (1840-1903). In: Aufbruch nach Amerika 1709-2009 - 300 Jahre Massenauswanderung aus Rheinland-Pfalz, Ausstellung im Theodor-Zink-Museum Kaiserslautern, Kaiserslautern 2009 (=Schriften des Theodor-Zink-Museums 17). S. 116-118.
  • Paul, Roland: „Es war nie Auswanderung, immer nur Flucht“. Zur Emigration der Juden aus der Pfalz im Dritten Reich. In: Kuby, Alfred Hans (Hrsg.): Juden in der Provinz. Beiträge zur Geschichte der Juden in der Pfalz zwischen Emanzipation und Vernichtung. Neustadt an der Weinstraße 1989.
  • Schmahl, Helmut: Die deutsche und rheinland-pfälzische Nordamerikaauswanderung im 18. Und 19. Jahrhundert. Ein Überblick. In: Aufbruch nach Amerika 1709-2009 - 300 Jahre Massenauswanderung aus Rheinland-Pfalz, Ausstellung im Theodor-Zink-Museum Kaiserslautern, Kaiserslautern 2009 (=Schriften des Theodor-Zink-Museums 17). S. 9-36.

 

Informationen wurden von dem Deutsch-Pennsylvanischen Arbeitskreis e. V. (DPAK) zusammengetragen und zur Verfügung gestellt

Erstellt: 02.11.2012

Anmerkungen:

  1. Vgl. Martin, Geschichte S. 10-32. Zurück
  2. Vgl. Martin, Geschichte, S. 38-43. Zurück
  3. Vgl. Martin, Geschichte, S. 48-62. Zurück
  4. Vgl. Schmahl, S. 10f. Zurück
  5. Vgl. Martin, Geschichte, S. 63. Zurück
  6. Vgl. Martin, Geschichte, S. 63-78. Zurück
  7. Vgl. Martin, Geschichte, S. 104-110; S. 118. Zurück
  8. Vgl. Martin, Nast. Zurück
  9. Vgl. weiterführend Martin, Krez; Heß. Zurück
  10. Vgl. Martin, Geschichte, S. 20; S. 30. Zurück
  11. Vgl. Paul, S. 149. Die Zahl der jüdischen Auswanderer aus Landau kann nicht bestimmt werden. In die genannten Zahlen fließt einerseits die Sterbeziffer mit ein, andererseits wanderten einige Juden zunächst in andere deutsche Städte wie Frankfurt am Main, Mannheim oder Berlin aus. Zurück
  12. Vgl. Paul, S.149-157. Zurück