Johann Peter Saling - Der „weiße Indianer“ aus Kaiserslautern

Johann Peter Saling (1701-1755; auch John Peter Salling od. Salley) wurde als Sohn einer hugenottischen Familie in Kaiserslautern geboren und zählt als Teilnehmer einer wegbereitenden Mississippi-Expedition zu den Pionieren der amerikanischen „Frontier“-Bewegung im 18. Jahrhundert.

Die Familie Sallin aus Metz ist erst nach dem Dreißigjährigen Krieg in Kaiserslautern zu finden. Seit 1653 wird Johann Peters Großvater Pierre Sallin in den Ratsprotokollen der Stadt genannt, wo er als Ratsbürgermeister und kurpfälzischer Schultheiß das Ansehen und Vermögen der Familie begründete; bei seinem Tod gehörte er zu den wohlhabendsten Bürgern Kaiserslauterns. Johann Peters Vater, Johann Nikolaus, stand ebenfalls im Dienste der Stadt als Stadtwachtmeister, -major und -leutnant. Er verkaufte auch 1731 die sog. „Salingsmühle“, eine Mahl-, Loh- und Sägemühle, was vermutlich seinen Sohn letztlich dazu veranlasste, der pfälzischen Heimat den Rücken zu kehren.

Mit seiner Frau Maria und den beiden Töchtern Catharina und Elisabeth setzte er 1733 an Bord der „Pennsylvania Merchant“ nach Nordamerika über, wo die Familie am 18. September im Hafen von Philadelphia eintraf. Im Conestoga Tal in Lancaster County, wo bereits seit zwanzig Jahren viele Pfälzer, überwiegend Mennoniten aus der Schweiz, siedelten, wurden Johann Peter Saling 1735 für den Neubeginn 250 acres Land zugewiesen. Den „wanderfreudigen Palatine“ reizte das unbekannte Land allerdings weitaus mehr als dieses „Altsiedelland“[Anm. 1] und so zog die Familie 1740 weiter in Richtung „frontier“, nämlich an den James River in Virginia, wo dann eine Blockhütte errichtet wurde, die fortan durchziehenden Waldläufern, Trappern, Missionaren und Händlern zu einem beliebten Rastplatz wurde.

Seine Reisefreudigkeit und Weltoffenheit ließen Johann Peter Saling wohl nicht lange zögern, als ihm 1741/42 ein Expeditionsvorhaben angetragen wurde, das der Gouverneur von Virginia zur Erkundung der Seen und Flüsse im Mississippigebiet geplant hatte. Im beginnenden englisch-französischen Kampf um die Vorherrschaft auf dem nordamerikanischen Kontinent suchten die Briten nämlich nach neuen Wegen, um ihre Küstenkolonien nicht durch die „französische Zange Louisiana-Mississippi-Canada“[Anm. 2] vom freien Indianerland im Westen abschneiden zu lassen. Johann Peter Saling und seine drei Expeditionsgefährten sollten also die Besonderheiten des Landes und der Wasserwege festhalten und ihre Ergebnisse kartographieren. In Kanus folgten sie den Flüssen New, Coal, Kanawah und Ohio bis hinab zum Mississippi. Die Expedition schien erfolgreich zu verlaufen, bis die Männer einer französischen Patrouille in die Hände fielen. Ihre bisherigen Aufzeichnungen und ihre Ausrüstung wurden konfisziert und sie selbst nach New Orleans ins Gefängnis gebracht. 1744 konnte Johann Peter Saling jedoch fliehen und zog mit einigen Händlern nordwärts nach Neu-Frankreich.

Ein Überfall von Cherokee-Indianern auf die Handelsreisenden ließ ihn abermals in Gefangenschaft geraten. Die Cherokee gaben dem gebürtigen Pfälzer den Namen „Menou“ (dt. „der Schweigsame“)[Anm. 3] und verkauften ihn schließlich weiter an die Illinois. Für die folgenden Monate lebte er mit den Indianern zusammen und lernte deren Sprache, Sitten und Gebräuche, bis er sich erneut zur Flucht verhalf. Durch die Wildnis schlug er sich daraufhin, auf sich allein gestellt, wieder heimwärts nach Virginia, wo er gegen Ende 1745 auch ankam.

Auch wenn die Franzosen die Aufzeichnungen der Expedition konfiszierten, schrieb Johann Peter Saling nach der Heimkehr seine Beobachtungen aus dem Gedächtnis noch einmal auf. Ins Englische übersetzt fanden sie als wertvolle Informationen Eingang in den „Report on the Back Settlement of Virginia“, der 1751 nach London gesandt wurde. Die britische Regierung konnte sich aufgrund des Berichts des Pfälzer Auswanderers erstmals ein genaues Bild vom Land westlich der „frontier“ machen. Schon 1748 wurde Johann Peter Saling mit einer Schenkung von 30.000 acres Land für seine Entbehrungen im Rahmen der Expedition belohnt.[Anm. 4]

Auf dem neuen Land konnte sich die Familie Saling fortan einleben. Der „weiße Indianer“ aus Kaiserslautern verstarb jedoch bereits 1755, gezeichnet vom entbehrungsreichen Grenzerleben in der unerforschten Wildnis.

Nachweise

 

Redaktionelle Bearbeitung: Markus Schmid

 

Verwendete Literatur:

  • Scherer, Karl: Johann Peter Saling - Der „weiße Indianer“ aus Kaiserslautern. In: Karl Scherer (Hrsg.): Pfälzer – Palatines. Beiträge zur pfälzischen Ein- und Auswanderung sowie zur Volkskunde und Mundartforschung der Pfalz und der Zielländer pfälzischer Auswanderer im 18. und 19. Jahrhundert. Kaiserslautern 1995, S. 167-169.

 

Erstellt: 13.02.2012

     

Anmerkungen:

  1. Scherer, Johann Peter Saling, S. 167. Zurück
  2. Scherer, Johann Peter Saling, S. 168. Zurück
  3. Scherer, Johann Peter Saling, S. 168. Zurück
  4. Scherer, Johann Peter Saling, S. 168. Zurück