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Quellen

aus: Lauckhard, Fritz: Auswandererbriefe aus Texas 1848/1849. In: Volk und Scholle. Heimatblätter für beide Hessen, Nassau u. Framkfurt am Main. Verbandszeitschrift des Hessischen Verkehrsverbandes. Jg. 9, Nr. 4, 1931. S. 95-101.

Wörrstadt, 28. März 1847
Lieber Wilhelm!

Du wirst dich wundern von mir die Nachricht zu vernehmen, daß ich gesonnen bin Europa zu verlassen und mir eine neue Heimath in der neuen Welt zu suchen und es kam dieses so unerwartet schnell, daß ich vor 14 Tagen noch nichts davon wusste, und wir bis zum 8ten April schon von Hamburg aus auf die See gehen. Es hat sich nämlich in Darmstadt ein Verein von jungen Leuten theils Techniker, Handwerker etc. und Öconomen gebildet, welche beabsichtigen in Texas eine Colonie anzulegen u. dazu Leute anwerben, welche sie für tauglich halten und Zutrauen schenken. Sie haben einen Vertrag mit dem Adelsverein in Wiesbaden abgeschlossen, wonach jeder Einwanderer 320 Acker Land unentgeltlich erhält, insofern er sich 3 Jahre lang auf seinem Gute aufhält, sich ein Haus baut u. 15 Morgen Land in dieser Zeit anbaut. Ferner erhält unsere Gesellschaft, welche sich auf ungefähr 40 Mitglieder erstreckt, 30.000fl. theils für den Landtransport bis ins Innere, theils zur Einrichtung auf unserem Gut Farm Nassau u. zur Unterhaltung bis zur nächsten Erndte. Dann befinden sich noch unter den Mitgliedern Leute von einigem Vermögen, welche noch außerdem ein Kapital von 100.000 fl. zu verwenden haben. Bis zum nächsten Spätjahr werden noch einige hundert Oeconomen angeworben u., wenn das Glück will, alles ganz großartig betrieben. Ich denke Gelegenheit zu finden mir da ein Geschäft anzulegen oder sonst ein passendes Unterkommen zu finden. Im schlimmsten Fall müsste ich mich auf Oeconomie legen. Davon lässt sich im Voraus noch nichts sagen. Hast Du nicht Lust eine Seereise zu machen? Ich glaube, daß es für dich in Nordamerika sehr gut wäre und du leicht Arbeit in Neuyork oder einer andern Seestadt bekömst, wo diese Arbeiten sehr gut bezahlt werden. In Texas wird es für Dich noch nicht gut sein, indem dies ein neu aufgeschlossenes Land u. noch zu wenig bevölkert ist. Ich will Dir später darüber schreiben. Ein paar Brüder von deinem Lehrprinzipal Büchel sind vor 2 Jahren auch hinübergezogen, der eine Kaufmann in Creuznach mit Familie, der andre ledig von Algier aus. Carl hat mir vor einigen Tagen geschrieben, er ist gesund und hat viel zu thun. Seine Frau hatte die Grippe, ist aber wieder hergestellt.

Ich muss schließen, denn ich habe noch viel mit Packen u. dergleichen zu thun. Wünsche Dir ein herzliches Lebewohl und hoffe Dich noch einmal drüben bei mir zu sehen.

Dein Bruder Adam Koeppel.

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Redaktionelle Bearbeitung: Björn Effgen

 
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