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Hinweise

Quellen

Brüchert-Schunk, Hedwig: In alle Winde zertstreut. Mainzer Juden in der Emigration, in: Keim, Anton Maria/Verein für Sozialgeschichte Mainz e.V. (Hg.): Als die letzten Hoffnungen verbrannten. 09./10. November 1938. Mainzer Juden zwischen Integration und Vernichtung, Mainz 1988, S. 79-100 (Mainz Edition Band V).

In alle Winde zerstreut - Mainzer Juden in der Emigration

Als Reaktion auf die 1933 einsetzende Diskriminierung und Verfolgung entschlossen sich viele deutsche Juden zur Auswanderung. Sie sahen in ihrem Heimatland keine Zukunft mehr. Vor allem junge Menschen, deren Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten zunehmend eingeschränkt wurden, gingen frühzeitig ins Ausland, während der älteren Generation dieser Entschluss sehr viel schwerer fiel. Von den rund 500 000 Juden, die 1933 im Deutschen Reich gelebt hatten, waren bis zum Auswanderungsverbot im Jahr 1941 mehr als die Hälfte (269 000) emigriert. [Anm. 1]

Erste Auswanderungswelle

Im Frühjahr 1933 kam es zu einer ersten fluchtartigen Auswanderungswelle. [Anm. 2] Zunächst verließen vor allem solche Juden Deutschland, die sich durch kulturelle oder politische Tätigkeit exponiert hatten und daher eine persönliche Verfolgung befürchten mussten. Sie teilten ihr Exilantenschicksal mit zahlreichen nicht-jüdischen politischen Flüchtlingen: Diese ersten Emigranten ließen sich meist in den europäischen Nachbarländern nieder.[Anm. 3] Sie hofften, dass die neuen braunen Machthaber schnell abgewirtschaftet haben würden und sie bald wieder heimkehren könnten. Die bevorzugten Exilländer waren Frankreich, Holland, Belgien und die Tschechoslowakei. Diese Länder ließen die Flüchtlinge zwar einreisen, verweigerten ihnen jedoch meist die Arbeitserlaubnis, so dass die Emigranten fast alle in bitterer Armut lebten und auf öffentliche oder private Wohlfahrt angewiesen waren. Andere europäische Länder, wie England, nahmen bis November 1938 nur Schüler, Studenten oder vermögende Flüchtlinge auf. Die Schweiz verschloss den meisten jüdischen Emigranten ihre Grenzen. [Anm. 4] Auch die Brüder Alfred und Erwin Epstein, Söhne des bekannten Mainzer Kaufmanns Eduard Epstein und Neffen des von den Nationalsozialisten seines Amtes enthobenen Beigeordneten der Stadt Mainz, Ludwig Epstein (SPD), flüchteten bereits im Mai/Juni 1933 nach Paris. Sie waren beide im »Reichsbanner« aktiv gewesen; Erwin hatte bereits einige Tage »in Schutzhaft« zubringen müssen. Der Rechtsanwalt und Sozialist Max Tschornicki aus Mainz, der im Juli 1933 aus dem KZ Ostfliehen konnte, rettete sich ebenfalls ins benachbarte Frankreich.

Eine Emigrantenkarriere in Frankreich: Kaufmannssohn, Schuhmacherlehrling, Fremdenlegionär

Alfred Epstein berichtet über sein Leben im Pariser Exil:[Anm. 5]

»Als ich nach Paris kam, hab' ich mich zunächst als politischer Flüchtling gemeldet. Man konnte sich als rassischer oder als politischer Flüchtling anmelden. Nach einigen Tagen wurde ich dann aber an die jüdische Gemeinde verwiesen. Erst waren wir ein paar Tage privat untergebracht. Dann bekam ich für eine Woche ein Quartier bei der Hilfsarmee, dort war es wie im Gefängnis. Danach kamen wir in eine verfallene Kaserne, die mussten wir uns erst zum Wohnen zurechtmachen. Und ich hatte meinen besten Anzug an, ich hatte ja sonst nichts mitnehmen können. Die Emigranten durften alle nicht arbeiten. Denn in Frankreich war auch eine Wirtschaftskrise gewesen.«
Alfred Epstein hatte Glück, er fand bald verschiedene Gelegenheitsarbeiten. Zuerst in einer Metzgerei, dann bei einem gelähmten jüdischen Bankdirektor aus USA, den er täglich rasierte und dem er beim Anziehen half. Schließlich fand er eine Stelle im Haushalt einer jüdischen Ärztin. Durch ihre guten Beziehungen zum französischen Innenministerium verschaffte sie Alfred Epstein eine längerfristige Aufenthaltsgenehmigung, die seine Lage verbesserte:
»Dadurch konnte ich dann an einer Umschulung teilnehmen, an einer Schuhmacherausbildung, die ein Jahr dauerte. Das wurde alles von den Quäkern bezahlt. Wir mussten uns aber verpflichten, dass wir nach dieser Lehre nach Südamerika oder irgendwohin gehen würden, um den französischen Handwerkern keine Konkurrenz zu machen. Ich bin aber später dageblieben, und die Quäker haben mir sogar Geld für das Handwerkszeug vorgestreckt. Und ich hab' in einem Hotel, in einer Kammer im 6. Stock, Schuhe repariert. Ich konnte mir sogar bald ein Fahrrad und eine Nähmaschine kaufen, hab' mir Karten drucken lassen und hab' bei den reichen Emigranten im Bois de Boulogne die Schuhe abgeholt, schnell repariert und wieder zurückgebracht. Auf einmal hatte ich so viele Kunden, dass ich die Arbeit nicht mehr alleine bewältigen konnte. Da hab' ich mir noch einen Schuhmacher dazu genommen. Ich wollte dann sogar eine mechanische Schnellsohlerei aufmachen, aber da ist der Krieg ausgebrochen, und da haben sie mir alles wieder weggenommen: mein Fahrrad und die Nähmaschine und das ganze Leder.« Um der Internierung zu entgehen, meldete sich Alfred Epstein dann zur Fremdenlegion und kam nach Marokko.

Trügerisches Asyl Europa

Das europäische Ausland bot den Flüchtlingen meist keine dauerhafte Zuflucht. Wenn sie nicht rechtzeitig weitergewandert waren, wurden sie 1939 in den Ländern, mit denen Deutschland Krieg führte, als »feindliche Ausländer« interniert, wie Ernst Simon, Julius Mann und Martin Wilhelm Mayer in England. Fritz Kramer und seinem Vater blieb die Internierung nur deshalb erspart, weil der ältere Bruder in der englischen Armee diente. Doch auch die Nicht-Internierten erhielten in den ersten Kriegsjahren keine Arbeitserlaubnis und mussten kümmerlich ihr Leben fristen. Nachdem die deutschen Truppen im ersten Kriegsjahr in mehreren Ländern einmarschiert waren, wurde dort die Lage für die Emigranten lebensbedrohlich – das Asyl entwickelte sich oft zur Falle. So wurden in Frankreich die Emigranten auf Geheiß der Vichy-Regierung, die mit Hitler-Deutschland kollaborierte, in französischen Konzentrationslagern inhaftiert. Dies widerfuhr auch Klara Lebrecht und Anni Lehmann aus Mainz, die mehrere Jahre in dem berüchtigten Lager Gurs in den Pyrenäen (wo Hunger und Seuchen herrschten und ständig der Abtransport nach Polen drohte) zubringen mussten. Viele jüdische Emigranten wurden aus ihren Asylländern in deutsche Vernichtungslager deportiert. Dieses Schicksal ereilte Alfred Epsteins Bruder Kurt und dessen Frau in Amsterdam, Karl und Ada Marxsohn (eine Enkelin, des bekannten Mainzer Rabbiners Prof. Dr. Siegmund Salfeld) und deren Tochter Ellen in Frankreich [Anm. 6] und viele andere - keiner von ihnen überlebte.

Die Haltung der Deutschen Regierung in der Auswanderungsfrage

Die Auswanderung der Juden aus Deutschland war zunächst das erklärte Ziel der nationalsozialistischen Regierung und wurde deshalb von ihr gefördert. [Anm. 7] Die Gesetzgebung zielte darauf ab, die Juden durch Verdrängung aus dem kulturellen und wirtschaftlichen Leben zum Verlassen des Landes zu bewegen, um Deutschland »judenrein« zu machen (diese Politik änderte sich erst nach Kriegsbeginn, als man von der Vertreibung zur Vernichtung überging). Dabei legte die deutsche Regierung Wert darauf, dass die Juden nicht in angrenzende Länder (von wo sie leicht zurückkehren konnten), sondern möglichst nach Übersee auswanderten. [Anm. 8] Es wurde scharf überwacht, dass niemand rückwanderte. Selbst Besucher waren verdächtig. Dies musste auch Alice Blättner (geb. Ganz), die 1934 nach Palästina ausgewandert war, erfahren:
»1937 war ich in Mainz, um meine alten Eltern zu besuchen. Nach wenigen Tagen Aufenthalt dort schellte nachts die Polizei und wollte wissen, wieso ich überhaupt im Land sei. Ich wurde für den nächsten Tag hinbestellt, man nahm mir meinen Pass ab und befahl mir, am übernächsten Tag Deutschland zu verlassen. Bei der Ausreise an der Schweizer Grenze überreichte man mir meinen Pass.«
Doch auch wenn man die Juden vertreiben wollte, so hieß dies noch lange nicht, dass man ihnen die Auswanderung leichtmachte. Im Gegenteil, es wurden ihnen zahlreiche Hindernisse in den Weg gelegt. Da die Reichsbank an Devisenmangel litt, war der Transfer von Vermögen ins Ausland stark eingeschränkt. Von jedem Auswanderer musste eine „Reichsfluchtsteuer“ entrichtet werden. Das Erlangen der notwendigen Ausreisepapiere war mit zahllosen Vorschriften, Behördengängen und Schikanen verbunden. Die Pässe der Juden wurden 1935 eingezogen. Um die illegale Auswanderung zu verhindern und über die Botschaften auch im Ausland eine bessere Kontrolle über die Juden ausüben zu können, wurden die Pässe danach nur noch mit einer Gültigkeitsdauer von sechs Monaten und nur für Auslandsreisen, für die bereits ein Visum vorlag, ausgehändigt. [Anm. 9] Bei Verstößen gegen die Ausreisebestimmungen und Devisengesetze drohten schwere Strafen. In den schwierigen Fragen der Auswanderung die Juden von ihren Hilfsorganisationen und notfalls finanziell unterstützt. Der »Hilfsverein der Juden in Deutschland« nahm sich der Auswanderer nach Europa und Übersee an; die »Jüdische Wanderfürsorge« in Berlin half Juden aus Osteuropa bei der Rückkehr oder Weiterwanderung und das »Palästina-Amt Berlin« (eine Dienststelle der »Jewish Agency for Palestine«,  anerkannt durch die britische Mandatsregierung mit konsulatsähnlichen Kompetenzen) organisierte die Emigration nach Palästina. [Anm. 10] Palästina war das einzige Land, in das bis zum Kriegsbeginn ein geregelter Vermögenstransfer  möglich war, der den Aufbau einer neuen Existenz erleichterte. Dieser Umstand war dem »Haavara-Abkommen« zu verdanken, das 1933 mit dem Reichswirtschaftsministerium abgeschlossen worden war. Es basierte auf der Verknüpfung der jüdischer Vermögen mit dem Export deutscher Waren nach Palästina, so dass das Deutsche Reich keine Devisen verlor. [Anm. 11]

Palästina - Land der Hoffnung

Schon vor 1933 hatten einzelne überzeugte Zionisten Deutschland verlassen, um nach Palästina auszuwandern. Die zionistische Organisation »Hechaluz« hatte 1921 damit begonnen, junge Menschen auf Lehrgütern auf die Einwanderung nach Palästina, das damals noch ein »Pionierland« war und viele junge Arbeitskräfte brauchte, vorzubereiten. [Anm. 12]
Nach 1933 wurde die Einwanderung von Jugendlichen nach Palästina, die »Jugend-Alijah«,den jüdischen Selbsthilfeorganisationen in Deutschland systematisch gefördert. [Anm. 13] Als Voraussetzung für die Erteilung eines Einwanderungszertifikats nach Palästina wurde von den jungen europäischen Juden die Teilnahme an einer »Hachscha«, einer praktischen Berufsgrundbildung (meist Landwirtschaft, Gärtnerei, bei Mädchen auch Hauswirtschaft) die mit einer geistigen Vorbereitung auf das Leben in Palästina (einschließlich des Erlernens der hebräischen Sprache) verbunden war, verlangt. Deshalb wurden an vielen Orten in Deutschland und in einigen Nachbarländern entsprechende Ausbildungsstätten eingerichtet. Palästina, das seit 1922 unter britischer Mandatsverwaltung stand, nahm als Aufnahmeland für jüdische Flüchtlinge aus Deutschland eine Sonderstellung ein, wie Chaim Arlosoroff (Mitglied der Exekutive der Jewish Agency for Palestine) im Frühjahr 1933 bei einer Besprechung mit führenden Zionisten in Deutschland erläuterte: »Palästina ist im Gegensatz zu manchen anderen Plänen keine Zwischenlösung, kein Nachtasyl. Was wir im Lande tun können, hat die Gewähr der Dauer und vollzieht sich in einer Atmosphäre der eigenen Leistung und der jüdischen Selbstbestimmung, die eben doch kein anderes Land der Welt uns je zu bieten hat. (...)«[Anm. 14] Bis 1941 gab Palästina rund 55 000 deutschen Emigranten eine neue Heimat [Anm. 15] und wurde damit nach den USA zum wichtigsten Aufnahmeland.
Die Einwanderung unterlag jedoch strengen Beschränkungen durch die britische Mandatsregierung. Es gab vier Kategorien von Einwanderungszertifikaten, wobei nur das sogenannte »Kapitalistenzertifikat« - hierfür wurde ein »Vorzeigegeld« von 1000 Palästina-pfund [Anm. 16] verlangt - unbegrenzt erteilt wurde. Für alle anderen Kategorien (Schüler- und Studentenzertifikate, Arbeiterzertifikate, Einwanderer auf Anforderung) wurden jährlich bestimmte Quoten festgelegt, die von der »Aufnahmefähigkeit des Landes« abhingen. Von Jahr zu Jahr wurde die Einwanderung für Juden, die das »Vorzeigegeld« von 1000 LP nicht aufbringen konnten, schwieriger, da bestimmte Berufe, wie Ärzte, Rechtsanwälte und Kaufleute, rasch überbesetzt waren. Gebraucht wurden vor allem Handwerker und landwirtschaftliche Arbeiter; nur die wenigsten deutschen Juden hatten jedoch eine derartige Ausbildung. Aus Mainz wanderten mindestens 122 Personen nach Palästina aus. [Anm. 17] Darunter war auch Fritz Klein, der sich heute Jitzchak Kali nennt:

Eine neue Heimat in Palästina gefunden

Fritz Klein [Anm. 18]  wurde am 24. Juli 1918 als Sohn von Josef und Hedwig Klein in Mainz geboren. Er hatte zwei ältere Schwestern, Else und Liesel. Die Familie wohnte in der Breidenbacherstraße 19. Der Vater hatte eine Schuhvertretung am Acker 16. Fritz wurde jüdisch-orthodox erzogen und besuchte die Bondi-Schule. [Anm. 19]; Mit neun Jahren trat er in das Realgymnasium ein. Nach dem 30. Januar 1933 veränderte sich dort langsam die Atmosphäre. Noch im Lauf des Jahres 1933 meldete sich Fritz Klein deshalb von der Schule ab. Für zwei Jahre ging er zu einem Onkel nach Frankreich. Als er nach Mainz zurückkehrte, fand er als Jude keine Anstellung mehr. Er musste sich mit Gelegenheitsarbeiten durchschlagen. Auch der Vater war inzwischen arbeitslos. Schließlich wurden die Eltern als Verwalter des israelitischen Krankenhauses und Altersheims an der Gonsenheimer Straße angestellt. Fritz Klein plante, nach Palästina auszuwandern, wo bereits seine beiden Schwestern lebten. Im Oktober 1938 begann er deshalb eine »Hachscharah« in Frankfurt. Nach den alarmierenden Ereignissen des November [Anm. 20]; wollte er jedoch keine Zeit mehr mit der Berufsvorbereitung in Deutschland verlieren. Seiner Schwester Liesel gelang es, für ihn ein Schülerzertifikat für Palästina zu beschaffen. Nach Überwindung zahlreicher bürokratischer Hindernisse (seine Abreise wäre fast daran gescheitert, wenn nicht ein Beamter der Passbehörde in letzter Minute unvorschriftsmäßig geholfen hätte) konnte er schließlich am 15. März 1939 nach Triest fahren und dort das Schiff nach Palästina besteigen, wo er schon von seinen Schwester erwartet wurde. Die Geschwister Klein bemühten sich nun darum, auch die Eltern nachkommen zu lassen. Doch sie wollten die Insassen des Altersheims nicht im Stich lassen. Zusammen mit diesen und mit dem gesamten jüdischen Personal (zu dem auch Fritz Kleins Verlobte Trude gehörte) wurden sie am 27. September 1942 nach Theresienstadt und von dort vermutlich weiter nach Auschwitz deportiert und ermordet.
Fritz Klein lebte die erste Zeit in einem Kibbuz, wurde Landarbeiter und meldete sich im Krieg zur englischen Küstenwache. Nach dem Krieg heiratete er und ging zusammen mit seiner Frau, die aus Berlin stammt, in eine neue Siedlung, Beth Meir, in den Bergen Jehudas, die von einer Gruppe von europäischen Einwanderern gegründet wurde. In den ersten Jahren waren die Lebensbedingungen sehr schwierig. Im Lauf der Zeit jedoch machten sie Beth Meir zu einer wohnlichen Stätte; die Kalis haben heute einen landwirtschaftlichen Betrieb mit 2 000 Legehühnern, über 100 Obstbäumen und Gemüsefeldern. Ihre fünf Kinder und 14 Enkelkinder leben alle in ihrer Nähe. Nebenbei hat Jitzchak Kali ein inzwischen staatlich anerkanntes  privates archäologisches Museum aufgebaut. Er hält Vorträge und empfängt Besucher aus aller Welt.

Die Aufnahme in den Überseestaaten

Die meisten Überseeländer nahmen nur eine sehr kleine Zahl von jüdischen Flüchtlingen auf oder verschlossen ihre Grenzen ganz. Zwar wurde auf der Konferenz von Evian, die auf Initiative des amerikanischen Präsidenten Roosevelt vom 6. bis 15. Juli 1938 stattfand, ein internationaler Anlauf unternommen, um die Flüchtlingsfrage zu lösen. Im Endergebnis blieb die Konferenz jedoch ohne Erfolg; die einzelnen Staaten lockerten ihre restriktive Aufnahmepolitik nicht. [Anm. 21]

Als einziges Überseeland öffneten die Vereinigten Staaten einer großen Zahl jüdischer Emigranten ihre Grenzen. Voraussetzung für die Einwanderung war allerdings die Bürgschaft eines in den USA lebenden Verwandten, der den Lebensunterhalt garantierte. Für jedes Auswanderungsland hatten die USA jährliche Quoten festgelegt, so dass für Einwanderungswillige, die eine solche Bürgschaft (»Affidavit of support«) besaßen, oft dennoch jahrelange Wartezeiten entstanden und viele deshalb nicht mehr rechtzeitig auswandern konnten. Insgesamt fanden zwischen 1933 und 1945 rund 130 000 Einwanderer aus Deutschland Aufnahme in den USA. [Anm. 22]

Wie in den meisten Ländern, so war auch in den USA die berufliche Eingliederung für die Emigranten sehr schwierig. Die Nachwirkungen der Weltwirtschaftskrise waren hier besonders stark zu spüren; es herrschte hohe Arbeitslosigkeit. Viele Einwanderer hungerten in den ersten Jahren und mussten, trotz einer guten Berufsausbildung, als Hilfsarbeiter anfangen. So berichten ausgewanderte Mainzer über ihre erste Zeit in den Vereinigten Staaten:

»Männer fanden schwer Arbeit, es war das Ende der Depression. Mein Mann, der zehn Jahre Musik studiert hatte und der erste Kantor der Gemeinde Mainz war, hat abends Ladenböden geputzt, bei Tag Kinder gehütet usw. Meine Mutter und ich hatten Stellen im Haushalt, um unseren Lebensunterhalt zu verdienen, da wir keine Wohlfahrt wollten. Nach und nach haben wir uns heraufgearbeitet, mein Mann in einem Möbelgeschäft in der Werkstatt und ich erst in Hutfabriken und dann im Atelier eines Kaufhauses, da ich vor der Auswanderung in einem Kursus Hutmachen gelernt hatte.« (Stefanie Jonas, San Francisco)

»Ich kam in Amerika an, ausgebildet als Krankenschwester, aber die wirtschaftliche Lage in USA war schwierig während der Depression der 30er Jahre. Ich arbeitete, wann immer ich Arbeit finden konnte. Ich musste zusammen mit meinem Bruder unsere Eltern miternähren, da diese in ihrem vorgeschrittenen Alter keine Arbeit mehr finden konnten.« (Nanni Mayer geb. Vogel, New York)

Über 400 Mainzer Juden fanden Aufnahme in den Vereinigten Staaten. Eine weitere, nicht bekannte Anzahl wanderte nach dem Krieg aus anderen Ländern in die USA weiter. Zu den Schwierigkeiten, den Lebensunterhalt zu fristen, kamen die übrigen Eingewöhnungsprobleme: die fremde Sprache, große Unterschiede in der Kultur und Lebensart, das Heimweh und die Einsamkeit vieler junger Auswanderer, die ohne ihre Familie nach Amerika gekommen waren. In der ersten Zeit hatten viele Emigranten fast ausschließlich Kontakt zu anderen deutschen Auswanderern: »Die größte Schwierigkeit war das Alleinsein.« (Ruth Eis geb. Levi, Oakland, California)

»Es gab ungemeine Schwierigkeiten, da vieles in unserem Verhalten falsch ausgelegt wurde. (. .. ) Zunächst waren andere Deutsche unsere einzige Gesellschaft, mit denen wir in die Schule gingen, um unser Englisch zu verbessern. Später, während des Zweiten Weltkriegs, waren wir für viele Einheimische die „Feinde“.« (Claire Picard, Fall River, Massachusetts)

»Die ersten Jahre waren schwer. Arbeit war nicht leicht zu finden, Englisch sprach ich kaum, ich war „zu deutsch“, um mich gleich wohlzufühlen. Aber der Kontakt mit anderen Emigranten und das Teilen des Heimwehs und der Probleme des täglichen Lebens halfen. Das Entgegenkommen und die Hilfe der Amerikaner - auch der Deutsch-Amerikaner übrigens - war großartig.« (Hans Levi, Lake Arrowhead, California)

Jüdische Wohlfahrtsorganisationen versuchten, den Einwanderern bei der kulturellen und wirtschaftlichen Integration behilflich zu sein. Gleichzeitig ermöglichten sie den Emigranten, einen Teil ihrer eigenen Kultur und Muttersprache weiterzupflegen. In Städten, wo sich große Emigrantengemeinden zusammenfanden, entwickelte sich eine eigene Einwandererkultur. Noch heute erscheint in New York das deutsch-jüdische Wochenblatt AUFBAU, das für die Einwanderer eine wichtige Rolle spielte.[Anm. 23]

Nach dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten wurden die jungen männlichen Einwanderer zur US-Armee eingezogen. Viele dieser jungen Männer kehrten auf diese Weise bei Kriegsende auf Seiten der Sieger in ihre Heimat zurück. So erging es zum Beispiel Arnold Weiss aus Hechtsheim.[Anm. 24]

Von Hechtsheim nach USA - Ein Lebensweg

Arnold Weiss wurde am 14. März 1921 in Hechtsheim, in der Borngasse 1, geboren. Die Familie lebte seit Generationen hier am Ort, in guter Nachbarschaft mit den Hechtsheimer Bauern. Der Vater, Julius Weiss, war ein angesehener Viehhändler. Er gehörte dem Vorstand der Hechtsheimer Jüdischen Gemeinde an. Die Mutter führte in der Stadt eine Milchhandlung, die sie von ihrem Vater, Levi Michel, übernommen hatte. Arnold hatte drei ältere Brüder, Josef, Eugen Emil, und eine Schwester, Cilli. Als jüngster besuchte Arnold als einziger von den Geschwistern 1933 noch die Volksschule in Hechtsheim. Er spürte die Veränderungen als erster. Freundschaften hörten plötzlich auf; die Nachbarjungen, mit denen er bisher tagtäglich gespielt hatte, traten in die Hitlerjugend ein ... In der Schule hatte Arnold nun sehr zu leiden. Sein Lehrer Jung erzählte den Schülern immer wieder, dass die Juden das Unglück Deutschlands seien. Alle Köpfe drehten sich dann herum, um Arnold zu betrachten. Er war froh, als 1935 seine Schulzeit beendet war. In der jüdischen Firma Abt & Kahn-Hut in Mainz begann er eine kaufmännische Lehre und besuchte die Berufsschulklasse in der jüdischen Bezirksschule. Als die Firma 1937 geschlossen wurde, wurde er arbeitslos.

Der Vater hatte den Viehhandel inzwischen aufgeben müssen, obwohl ihm mehrere Bauern auch nach 1933 als Kunden noch die Treue hielten. Auch das Milchgeschäft lief immer schlechter, da die nicht-jüdischen Kunden wegblieben und die jüdischen Kunden nach und nach auswanderten. 1937 wurde der Laden verkleinert und von der Neubrunnenstraße 12 in die Mittlere Bleiche 19 verlegt.

Arnold bemühte sich nun um die Auswanderung nach USA. Sein Bruder Emil war bereits im Jahr 1931 - gegen den Willen der Eltern - nach Palästina ausgewandert, wo er in einem Kibbuz lebte. Die Schwester, Cilli, war ihm dorthin 1936 gefolgt. Arnolds Bruder Eugen war in die USA ausgewandert. Arnold erhielt von einer Tante väterlicherseits, die schon länger in den USA lebte, ein »Affidavit of support«, beim amerikanischen Konsulat in Stuttgart erhielt er daraufhin das ersehnte Visum. Es war jedoch unmöglich, im Herbst 1938 sofort eine Schiffspassage zu bekommen. So erlebte er den 9./10. November noch in Mainz. Er konnte der Verhaftung und dem Transport ins KZ Buchenwald entgehen, indem er sich zwei Tage im jüdischen Krankenhaus versteckte. Das Haus in Hechtsheim wurde allerdings im Lauf des 10. November von SA-Leuten und Hitlerjugend verwüstet. Danach wagten die Eltern nicht mehr, dort zu wohnen. Sie fanden Unterkunft in einem Hinterhaus in der Mittleren Bleiche. In all den Jahren, in denen die Lage immer schwieriger wurde, hielt vor allem eine (nicht-jüdische) Hechtsheimerin treu zu ihnen: Eva Schwinn, die noch vor dem Ersten Weltkrieg als 14-jähriges Mädchen zur Familie Weiss in Dienst gekommen war und ihnen seitdem den Haushalt führte. Den jüngsten, Arnold, hatte» Tante Eva« mit großgezogen, sie war für ihn eine zweite Mutter. Eva Schwinn ließ sich von der antisemitischen Hetze nicht beirren und blieb bis November 1938 in den Diensten der Familie Weiss. Auch danach versorgte sie Arnolds Eltern noch heimlich mit Lebensmitteln.

Die Weiterführung des Milchgeschäfts wurde immer schwieriger. Die Butter- und Eier-Zuteilungen wurden zunehmend gekürzt. Am 1. Januar 1939 musste die Milchhandlung Weiss, die am Schluss noch 112 jüdische Familien versorgt hatte, aufgrund eines neuen Gesetzes ganz schließen. Die Eltern waren nun ohne Einkommen und lebten in bitterer Armut. Das Haus und die Felder in Hechtsheim mussten zwangsversteigert werden.

Arnold Weiss hatte Ende Januar 1939 endlich einen Schiffsplatz bekommen und war am 4. Februar 1939 in New York gelandet. Mit seiner kaufmännischen Ausbildung konnte er in der Neuen Welt nicht viel anfangen. Um der Tante nicht zu lange zur Last zu fallen, meldete er sich zu einer Umschulung auf einer Lehrfarm und arbeitete dann auf einem Bauernhof in New Jersey. 1942 wurde er zur US-Armee eingezogen. Schon nach kurzer Ausbildung ging es in die Kampfgebiete nach Europa. Im Sommer 1945 kam Arnold Weiss, in US-Uniform, erstmals wieder zu Besuch nach Mainz. Eine traurige Heimkehr. Die Eltern fand er nicht mehr, sie waren am 30. September 1942 nach Polen deportiert und ermordet worden. Aber in einem Haus wurde Arnold mit Freuden empfangen: bei »Tante Eva«, die »ihren« Arnold nun glücklich in die Arme schloss. Nach dem Krieg versuchte Arnold Weiss zusammen mit seiner Frau Ruth, die aus Bensheim stammt, sich in den Vereinigten Staaten eine neue Existenz aufzubauen, was viele Jahre dauerte. Seit kurzem lebt das Ehepaar im Ruhestand. Ganz zurückkehren nach Deutschland wollte Arnold Weiss nie. Aber er kommt gerne zu Besuch nach Hechtsheim. Die Kontaktaufnahme zur alten Heimat wurde ihm vor allem dadurch erleichtert, dass es - trotz der schlimmen Erfahrungen – hier auch Menschen wie Eva Schwinn gab ...

Auch Hans Levi, Ernst Simon, Walter Mannheimer, Werner Neugarten (heute: Warner Nash), Ernst M. Cohn und Louis Liebenstein (heute: Louis Lipton) kehrten 1945 als amerikanische Soldaten in die Heimat zurück. Werner Neugarten arbeitete von 1945 bis 1947 als Dolmetscher bei den Nürnberger Prozessen. Walter H. Mannheimer beschreibt sein erstes Wiedersehen mit Mainz: »Ich war von 1943 bis 1946 als Arzt in der amerikanischen Armee; einen Teil dieser Zeit auch in Deutschland. Der Besuch in Mainz im Juni 1945 verursachte ein unvergessliches, seltsames Gefühl: eine Mischung von Genugtuung und Trauer. (. .. ) Ich kam im Jeep von Wiesbaden über die Pontonbrücke. Der Anblick der zerstörten Stadt-Silhouette war fürchterlich. Ich wanderte wie ein Betrunkener von Stadtteil zu Stadtteil, konnte weder das Alte Gymnasium noch die Fuststraße wiederfinden. Aber groteskerweise war der jüdische Friedhof, wo meiner Eltern Grab steht, unversehrt.«

Der Schock des 09./10. November 1938

In der Phase zwischen 1935 und 1938, als die Judenverfolgung in Deutschland abzuebben schien und das Leben sich in gewisser Weise »normalisierte«, hatte der Auswanderungswille nachgelassen. Bei vielen deutschen Juden war die Hoffnung gewachsen, doch noch in der Heimat bleiben zu können. Der 9./10. November 1938 machte all diese Hoffnungen zunichte. Die Auswanderungszahlen stiegen wieder steil an. Waren zwischen 1933 und August 1938 rund 650 Mainzer Juden aus Deutschland weggegangen, so verdoppelte sich diese Zahl bis 1941.

Exodus der Kinder

Viele Familien hatten zwischen 1933 und 1938 ihre erwachsenen oder halberwachsenen Kinder ins Ausland vorgeschickt, damit diese dort zunächst allein Fuß fassen und dann die restliche Familie nachkommen lassen konnten. Nun wollte man auch die jüngeren Kinder möglichst rasch in Sicherheit bringen, selbst wenn das die vorübergehende Trennung bedeutete. Einige Länder, allen voran England, erklärten sich, aufgeschreckt durch die Ereignisse in Deutschland, zur Aufnahme von Kindern bereit, die in Heimen oder Gastfamilien untergebracht wurden. Viele dieser Kinder sahen ihre Eltern und Verwandten nie wieder ... Ruth Weiss (geb. Metzger), Haifa, die am 4. Januar 1939 von Mainz in die Schweiz abreiste, erinnert sich:

»Ich kam mit einem Kindertransport in die Schweiz. In dem Kinderheim wurden wir gut versorgt, nur litten wir sehr an Heimweh und ganz besonders an der Trennung von den Eltern. Wir wussten damals noch nicht, dass es eine Trennung für immer sein wird.«

Die meisten Mainzer jüdischen Kinder wurden zwischen Januar und Juli 1939 nach England geschickt, darunter auch Margaret und Willy Heidenheimer, Margot und Erich Jungermann, Julius Mann und Ruth Montag. Einem Kindertransport vom Juli 1939 gehörten die Schülerinnen der jüdischen Bezirksschule: Lotte Wertheimer (die noch heute in England lebt), Hilde Lebrecht und Evi Metzger an. Wenige Wochen später folgte ihnen ihre Lehrerin, Fräulein Sophie Cahn, unter dem Vorwand, einen sprachlichen Fortbildungsurlaub machen zu wollen. Sie lebte in den folgenden Jahren zusammen mit den Mädchen in einem Landhaus, das ihnen von den Quäkern zur Verfügung gestellt wurde. [Anm. 25]

Auswanderung unter erschwerten Bedingungen

Die Auswanderung war ab November 1938 stark erschwert. Die Mitnahme von Geld und Wertsachen wurde nun ganz verboten, jeder Auswanderer durfte nur mit 10 Mark ausreisen. Viele Auswanderer konnten nur noch ein deutsches Schiff benutzen, da sie keine Devisen zur Bezahlung einer Schiffspassage erhielten. Auf den deutschen Schiffen wurden sie wie Aussätzige behandelt und waren selbst hier noch von Bespitzelung und Verhaftung bedroht. Stefanie Jonas erinnert sich:

»Wir konnten nur noch mit einem deutschen Schiff auswandern, Hapag. Da wir keine Devisen bekamen, war das der einzige Weg, unsere Fahrt zu bezahlen. Das Bordgeld, das uns erlaubt war, musste an die deutsche Regierung wieder zurückgehen. Der Kapitän des Schiffes und der Arzt haben nie mit uns gesprochen. Wir Emigranten mussten an separaten Tischen essen, die Passagiere haben auf die andere Seite geschaut, wenn sie uns sahen. Das Horst-Wessel-Lied wurde jeden Abend gesungen. Es wurde uns gesagt: „Der Arm des Gesetzes reicht bis San Francisco!“ Wir durften unterwegs nicht an Land. Wir kamen in San Francisco an mit je 4 Dollar.«

Ähnlich erging es Cäcilie Weis (geb. Selig) aus Hechtsheim, als sie im Januar 1939 mit dem Postdampfer »Watussi« der Deutschen Afrika-Linien nach Rhodesien auswanderte (ihr Mann, Max Weis, war am 10. November 1938 nach Buchenwald transportiert worden und wurde am 30. November entlassen, mit der Auflage, sofort auszuwandern: [Anm. 26]

»Wir sind in Antwerpen aufs Schiff. Abends hat der Kapitän jeden begrüßt. Mein Mann war ganz blond und hat gar nicht ausgesehen wie ein Jude. Der Kapitän hat also angeklopft und ist reingekommen und hat zu mir gesagt: „Sie sind Jüdin!“ Da hat mein Mann gesagt: „Ich bin auch Jude, Volljude!“ Darauf warnte uns der Kapitän: „Also, nehmt Euch in acht vor den Herren, die dort und dort sitzen - wenn Sie ein Wort über Hitler sagen, kommen Sie in den Keller ins Gefängnis!“«

Umzugskisten durften nur noch nach Genehmigung und unter Aufsicht der Gestapo gepackt werden. Häufig wurde das gesamte Umzugsgut kurz vor der Abreise beschlagnahmt und später versteigert. Die Schlangen vor den Konsulaten wurden immer länger; durch Flüsterpropaganda erfuhr man gelegentlich, wo es bei einem geschäftstüchtigen Konsul Visa gegen Geld zu kaufen gab. Da für die begehrten Auswanderungsländer lange Wartezeiten bestanden, waren nun viele Menschen bereit, auch in die abgelegensten Länder der Erde zu gehen, wenn für dort nur ein Visum zu bekommen war.

Dann eben nach Bolivien! Als junges Mädchen nach Südamerika

Renata Rosenthal [Anm. 27] wurde 1926 in Groß-Gerau geboren. Die Eltern besaßen dort eine Metzgerei und ein großes Haus. Als die Verhältnisse in der Kleinstadt für Juden immer unerträglicher wurden, zogen die Rosenthals 1934 nach Mainz, wo Renata
die jüdische Bezirksschule besuchte. Sie wohnten in der Kaiserstraße 27. Nach dem 10. November, als ihre Wohnung völlig zertrümmert wurde, sie sich tagelang in der Dachkammer verstecken mussten und der Vater einen Nervenschock erlitt, bemühten sich Renates Eltern um eine möglichst schnelle Auswanderung. Ein »Affidavit of support« für die USA, das sie von Freunden bekamen, konnte wegen der hohen Quotennummer nicht genutzt werden. Da erfuhren sie durch Zufall, dass Bolivien gerade die Grenzen geöffnet habe und dass man für 250 Dollar pro Person beim Konsul in Hamburg Visa kaufen könne. Renata Schwarz (geb. Rosenthal) erinnert sich: »Ein paar Tage später fuhr mein Vater nach Hamburg und kaufte die drei Visa für uns. Auch für seinen Bruder und dessen Frau, die in Frankfurt lebten, wurde alles arrangiert. Wir begannen unser Hab und Gut in Speditionskisten zu packen. Vorher verkauften wir noch unser Haus an unseren früheren Angestellten. Unter den Umständen bekam er es natürlich halb geschenkt. Geld durfte man nicht aus Deutschland mitnehmen. Mein Vater kaufte deshalb viel ein, um möglichst wenig auf das Sperrkonto einzuzahlen. Er kaufte teure Maschinen zur Wurstherstellung (um in Bolivien eine Wurstfabrik aufmachen zu können), außerdem Fahrräder, Dutzende Paar Schuhe und Unmengen Kleider für uns. Meine Mutter, eine sehr mutige Frau, ging mit der Packliste zur Gestapo, um die Erlaubnis zu bekommen, all diese Sachen mitzunehmen. Erstaunlicherweise erhielt sie sie. ( ... ) Nun kam das Problem, eine Passage nach Südamerika zu bekommen. Wir hatten wieder Glück und fanden einen holländischen Frachter, bei dem wir die Überfahrt in Mark bezahlen und auch
noch ein ziemlich hohes Bordgeld mitnehmen konnten. Das Schiff hieß „Breda“, sie sollte am 9. September auslaufen. Wir mussten uns für Holland ein Transitvisum besorgen, das jedoch nur für 24 Stunden ausgestellt wurde. ( ... ) Eines Morgens klingelte es an der Tür. Es war ungefähr acht Tage, bevor wir abreisen wollten. Eine Nachbarin kam ängstlich herein und beschwor meine Eltern, sofort abzureisen. Es sei Krieg mit Polen ausgebrochen, und sie habe gehört, dass alle Juden in Konzentrationslager deportiert werden sollten. Meine Eltern gerieten in Panik. Wir packten unsere restlichen Sachen ein, sie passten in drei kleine Koffer. Alles andere war bereits bei der Spedition.«

Da alle Züge für das Militär reserviert waren, fuhren die Rosenthals mit dem Taxi nach Frankfurt, um Renates Onkel und Tante abzuholen, die bereits ältere Leute waren. Zusammen mit ihnen fuhren sie dann im Taxi weiter nach Köln, um dort den einzigen Zug zu erreichen, der an diesem Tag nach Holland fahren sollte. Er war hoffnungslos überfüllt. An der Grenze wurden sie kontrolliert, alles Geld bis auf zehn Mark pro Person musste abgegeben werden. Dann waren sie mit ein paar Schritten in Holland. Dort begann jedoch die Angst, Schwierigkeiten zu bekommen, da sie eine Woche früher eingereist waren, als ihr Transitvisum gültig war. Das jüdische Komitee hatte jedoch alles bestens organisiert. Es nahm die Auswanderer in Empfang und schleuste sie eine Woche lang durch verschiedene Städte, wo sie in jüdischen Familien untergebracht wurden. So trafen sie erst 24 Stunden vor Auslaufen der »Breda« in Rotterdam ein. Nun der Gefahr entronnen, entdeckt zu werden und als illegal eingereiste Flüchtlinge nach Deutschland zurückgeschickt zu werden, gingen sie an Bord. Dort erlebten sie eine große Enttäuschung: »Für uns war nichts angekommen, nicht einmal unser Reisegepäck war uns von der Spedition nachgeschickt worden, von den Umzugskisten ganz zu schweigen. Das hieß, dass von nun an alles, was wir auf der Welt besaßen, drei kleine Koffer,
zehn Mark und das Bordgeld waren, das wir vorher überwiesen hatten.«

Bevor das Schiff auslief, rief der Kapitän die Passagiere zusammen und informierte sie, dass die Fahrt wegen des Kriegszustands sehr gefährlich sei. Sie müssten nicht nur die Minen umfahren, sondern englische Schiffe blockierten den Kanal. Sie kämen zu Kontrollen an Bord, und wenn sie deutsche Passagiere vorfänden, behandelten sie sie als Kriegsgefangene und internierten sie. Deshalb wollte der Kapitän die Blockade ohne Abzustoppen rasch durchfahren und hoffte, dass die Engländer nicht auf sie schießen würden, da die »Breda« unter neutraler holländischer Flagge fuhr. Der Plan gelang; sie erreichten ohne Zwischenfall das offene Meer. ( ... ) Nach sieben Wochen näherte sich das Ende der Reise. Die »Breda« landete im Hafen von Arica, und die Familie Rosenthal ging zusammen mit anderen Emigranten an Land. Am darauf folgenden Tag ging es mit der Eisenbahn über die Anden nach La Paz. Die Fahrt dauerte 36 Stunden. Der Zug kletterte höher und höher hinauf, sie waren nur noch von kahlen Felsen umgeben. Ein Teil der Fahrgäste litt unter Höhenkrankheit. In La Paz wurden sie vom jüdischen Komitee in Empfang genommen und für die erste Zeit in einem Flüchtlingsheim untergebracht.
Da saß nun die 13jährige Renate mit ihren Eltern, auf engem Raum zusammengepfercht mit anderen Emigrantenfamilien, in einem fremden Kontinent, in einem Land, dessen Sprache sie nicht verstand und dessen Kultur ihr fremd war, ohne einen Pfennig Geld und ohne alles Hab und Gut. Eine ungewisse Zukunft erwartete sie.

Während des Krieges wurde es immer schwieriger, aus Deutschland herauszukommen. Die meisten Schiffsverbindungen waren unterbrochen. Die letzten Auswanderer wurden, zusammengepfercht in versiegelten Eisenbahnwaggons, von Berlin nach Lissabon verfrachtet, da dies der letzte Hafen war, von welchem noch Schiffe nach Amerika ausliefen. So erging es beispielsweise Ilse Lebrecht und ihrer Mutter, ebenso den Eltern von Dr. Fritz Blumenthal, der Mutter von Claire Picard und der Mutter von Hans und Ruth Levi (der Vater, der Mainzer Rabbiner Dr. Sali Levi, erlitt von den Aufregungen einen Herzinfarkt und verstarb vor der Abreise 1941 in Berlin).

Das letzte Schlupfloch: Schanghai

Der einzige Ort der Welt, wo bei der Einreise kein Visum gefordert wurde, war Schanghai. Für zahlreiche Flüchtlinge war diese chinesische Hafenstadt daher die letzte Zuflucht. Nach Kriegsausbruch blieb zur Auswanderung ohnehin fast nur noch der Weg über das asiatische Festland. In Schanghai lebten schließlich 18 000 europäische Emigranten, die von den Japanern (auf Anweisung der Deutschen) in einem Ghetto interniert wurden. Auch für Gertrude Salomon aus Mainz war Schanghai die Rettung vor dem sicheren KZ, als sie 1940 aus dem Gefängnis entlassen wurde. [Anm. 28] Wegen Vergehens gegen die Devisengesetze (sie hatte versucht, für ihre Familie Wertsachen aus dem Land schmuggeln zu lassen) war sie 1939 verhaftet und nach neun Monaten Untersuchungshaft zu weiteren sieben Monaten Gefängnis verurteilt worden. Ihr Vater beging deshalb Selbstmord. Nach Abbüßung der Haft sollte sie der Gestapo übergeben werden - das hätte sicheres KZ bedeutet. Doch im Mainzer Amtsgericht hatte jemand aus alter Freundschaft das Papier mit der entsprechenden Anweisung verschwinden lassen. Sie wusste jedoch, dass sie nun schnellstens abreisen musste, bevor die Gestapo sie suchte. Für die USA fehlte eine Bürgschaft, so blieb nur noch Schanghai. Ihre Mutter hatte ihr bereits den Reisepass und ein gefälschtes Visum für Honduras besorgt. Denn ein Visum, für welches Land auch immer, war die Voraussetzung, um die notwendigen Transitvisa zu halten. Es fehlte jedoch noch das Transitvisum für die Sowjetunion. Gertrude Salomon fuhr mit ihrer Mutter nach Berlin, um bei der Hapag-Reiseagentur das Visum zu bekommen. Doch das sollte Woche dauern. Dieser Aufschub war für sie bedrohlich. Durch einen glücklichen Zufall verschaffte ihr jemand über Nacht den notwendigen Stempel. Nach endgültigem Abschied von Mutter, die 1942 deportiert und ermordet wurde, fuhr sie mit dem nächsten Zug nach Königsberg von dort ging es per Flugzeug weiter nach Moskau. In Moskau begann die Fahrt mit der transsibirischen Eisenbahn, eine Woche lang quer durch Asien bis in die Mandschurei, von dort ging es schließlich mit dem Schiff nach Schanghai. In Schanghai kümmerte sich das jüdische Komitee um die Neuankömmlinge. Sie wurden in dem chinesischen Stadtteil Hongkiu einquartiert. Gertrude Salomon war mit einem Handköfferchen und drei US-Dollar angekommen. Doch es gelang ihr rasch, dank ihrer Krankengymnastikausbildung im internationalen Teil der Stadt ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Doch ab 1942 durften die Emigranten das Ghetto nicht mehr verlassen; es gab kaum noch Arbeitsmöglichkeiten. Nach der Kapitulation Deutschlands ging der Krieg in Ostasien weiter. Hätte er noch ein paar Wochen länger gedauert, wären alle Emigranten von den Japanern auf Schiffe verladen und versenkt worden, entsprechende Pläne wurden später gefunden ...

Bei Kriegsende war Gertrude Salomon staatenlos, kein Land der Welt wollte sie aufnehmen. Durch eine Scheinehe wurde sie schließlich norwegische Staatsbürgerin und damit wieder »ein Mensch«. Ihre Odyssee führte sie von Schanghai über das Portugiesische Macau und die Philippinen weiter nach Südafrika, wo ihr Bruder lebte. In den 60er Jahren kehrte sie, als eine der wenigen Ausgewanderten, in die Bundesrepublik zurück.

Ausweglos

Viele ältere Menschen hatten lange gezögert, bevor sie sich zur Auswanderung entschlossen. Einige kehrten sogar noch 1938 von Auslandsreisen zurück, da sie sich ein Leben in der Fremde nicht vorstellen konnten. Sie fühlten sich als »gute Deutsche«, es mangelte ihnen an Fremdsprachenkenntnissen, sie sahen keine Möglichkeit, sich eine neue Existenz in einem fremden Land aufzubauen. So zum Beispiel auch Dr. Eugen Mannheimer und seine Frau Hedwig, wie ihr Sohn Walter H. Mannheimer berichtet:

»Wir versuchten, meine Eltern, die uns noch im Sommer 1938 hier besucht hatten, hierzubehalten - ohne Erfolg. Mein Vater[Anm. 29] glaubte, seine Pflicht rufe ihn nach Deutschland zurück. Amerika war für meine Eltern eine traumatische Erfahrung: keine englischen Sprachkenntnisse, keine berufliche Zukunft hier, keine Freunde und Verwandten ihrer Altersgruppe, ein schreckliches Klima ( ... ); unsere finanzielle Lage war damals auch noch recht unsicher.«

Als sich nach dem Schock der Novemberereignisse des Jahres 1938 dann doch viele ältere Juden entschlossen auszuwandern, war es oft zu spät. Viele warteten vergeblich auf ein Visum und auf eine Schiffspassage. Die Hoffnung, an die sie sich klammerten, geht aus vielen Briefen hervor, die ihre Kinder im Ausland erhielten. Im Oktober 1941 wurde die Auswanderung aus Deutschland endgültig verboten.

Abschied für immer

Nach dem Krieg kehrten nur ganz wenige jüdische Emigranten nach Deutschland zurück. Viele hatten ihre Eltern, Geschwister und andere Verwandte verloren, die in den Vernichtungslagern ermordet worden waren. Sie konnten sich ein Leben einem Land, das solcher Greueltaten fähig war, nicht mehr vorstellen. Manche Auswanderer haben Mainz bis heute nicht wiedergesehen – die Erinnerungen sind zu schmerzlich, oder sie warten noch immer auf eine offizielle Einladung ihrer Mutterstadt, aus der sie vor 50 Jahren vertrieben wurden. Andere kommen regelmäßig her, meist, um die Familiengräber zu besuchen. Wenn auch die ersten Jahre in der Fremde die Auswanderer sehr schwierig waren, so sind sie inzwischen längst in ihrer neuen Heimat integriert. Ihre Kinder und Enkel sind dort geboren und aufgewachsen. Sie haben die Staatsangehörigkeit des Gastlandes erworben und sich ein Leben aufgebaut. Doch das Heimweh, ein Gefühl des Entwurzeltseins, ist manchen bis heute geblieben. Claire Lebrecht, Paris, drückt ihre Empfindungen so aus: »Ich fühle in Mainz unsere Wurzeln unter meinen Schritten… «

Aber auch die alte Heimat ist nicht mehr wie früher, auch hier fühlen sich die Besucher oft fremd. Viele der alten Häuser stehen nicht mehr, die Straßen haben sich verändert. Vor allem aber fehlen die vertrauten Menschen. Die Verwandten und alten Freunde sind tot oder in alle Winde zerstreut ...

Anmerkungen

Soweit nicht anders angegeben, entstammen alle namentlich gekennzeichneten Zitate dem Briefwechsel, den der »Verein für Sozialgeschichte Mainz« zwischen März und Juli 1988 mit heute im Ausland lebenden, aus Mainz stammenden Juden geführt hat.

Verfasserin: Hedwig Brüchert-Schunk

Redaktionelle Bearbeitung: Evelyn Heid

Anmerkungen:

  1. Geschätzte Zahlen nach Herbert A. Strauss, in: Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Bd. I, München, New York, London, Paris 1980, Einleitung, S. XIX. Nach anderen Schätzungen schwankt die Gesamtzahl zwischen 250 000 und 300 000; vgl. Werner Rosenstock, Exodus 1933 bis 1939. Ein Überblick über die jüdische Auswanderung aus Deutschland, in: Deutsches Judentum, Aufstieg und Krise. Gestalten, Ideen, Werke. 14 Monographien (hrsg. v. Robert Weltsch). Stuttgart 1963, S. 380 bis 405, hier: S. 381. Zurück
  2. Vgl.: Rosenstock, S. 387. Zurück
  3. Ebenda, S. 389. Rosenstock gibt den Anteil der Auswanderung nach Europa des Jahres 1933 mit 72 bis 74 Prozent an. Zurück
  4. Das Verhalten der Schweiz in der Flüchtlingsfrage sowie der übrigen Staaten wird ausführlich dargestellt in: Ralph Weingarten, Die Hilfeleistung der westlichen Welt bei der Endlösung der deutschen Judenfrage. Das »Intergovernmental Committee on Political Refugees«  (IGC) 1938 bis 1939. Bern, Frankfurt a. M., New York (1983); zur Schweiz vgl. S. 2II bis 222.  Zurück
  5. Die Informationen und Zitate sind einem Interview mit Alfred Epstein vom 16. Dezember 1983 entnommen. Zurück
  6. Vgl.: Henry Salfeld, Ada, Karl und Ellen – Eine Auschwitz-Tragödie. In: Juden in Mainz. Rückblick auf eine stadthistorische Ausstellung, Mainz 1979, S. 133 bis 135 (Auszug aus den Lebenserinnerungen  von Dr. Henry Salfeld, New York). Zurück
  7. Dies geht aus verschiedenen Akten des Auswärtigen Amts Berlin hervor; siehe: Dolf Michaelis, Die wirtschaftliche und politische Entwicklung der Auswanderungs- und Transferfrage im nationalsozialistischen Deutschland, in: Werner Feilchenfeld, Dolf Michaelis, Ludwig Pinner, Haavara-Transfer nach Palästina und Einwanderung deutscher Juden 1933 bis 1939. Tübingen 1972, S. 15 bis 33, hier: S. 28, Fußnote 8, und S. 31. Zurück
  8. Vgl.: Schreiben des Reichskriminalpolizeiamts, Berlin, an die Staatliche Kriminalpolizei in Darmstadt vom 3. November 1938 (LA Speyer, Bestand H 53/ 1772).  Zurück
  9. Bericht des Polizeipräsidenten in Mainz vom 15. August 1938, S. 1 bis 5 (LA Speyer, Bestand H 53/r772). Zurück
  10. Vgl.: Strauss, in: Biographisches Handbuch, S. XXIV.  Zurück
  11. Das komplizierte System des Haavara-Abkommens ist ausführlich erläutert in: Feilchenfeld u. a. Zwei der Autoren, Dr. Werner  Feilchenfeld und Dr. Ludwig Pinner, waren selbst an führender Stelle an der Arbeit der »Haavara« beteiligt. Zurück
  12. Vgl.: Die jüdische Emigration aus Deutschland 1933 bis 1941. Die Geschichte einer Austreibung. Eine Ausstellung der Deutschen  Bibliothek, Frankfurt am Main, unter Mitwirkung des Leo-Baeck-Instituts, New York. Frankfurt am Main 1985 (Katalog), S. 153f Zurück
  13. Ebenda, S. 155 bis 160; vgl. auch: Hans Gaertner, Probleme der jüdischen Schule während der Hitlerjahre, unter besonderer  Berücksichtigung der Theodor-Herzl-Schule in Berlin, in: Deutsches Judentum, Aufstieg und Krise, S. 326 bis 352, hier: S. 348 bis 351. Zurück
  14. Zit. nach: Michaelis, S. 22. Zurück
  15. Vgl. Ludwig Pinner, Die Bedeutung der Einwanderung aus Deutschland für das jüdische Palästina, in: Feilchenfeld u. a., S. 89 bis 112, hier: S. 90. Zurück
  16. 1 Palästina-Pfund (LP) entsprach dem Wert eines englischen Pfundes.  Zurück
  17. Zahlen ermittelt nach: Aufstellung der seit 1933 von der Gemeinde Mainz ausgewanderten Juden. (StadtA MZ, Nachlaß Oppenheim 49). Zurück
  18. Die Informationen entstammen schriftlichen Aufzeichnungen und persönlichen Dokumenten von Jitzchak Kali, Israel. Zurück
  19. Schule der israelitischen Religionsgemeinschaft. Zurück
  20. Seine Erinnerungen an die Ereignisse des November 1938 sind ausführlich geschildert in: Jitzchak Kali, Die Kristallnacht, in: Juden in  Mainz, Rückblick auf eine stadthistorische Ausstellung. Mainz 1979, S. 82 bis 88. Zurück
  21. Vgl. Weingarten; ebenso: S. Adler-Rudel, The Evian Conference on the Refugee Question, in: Year Book XIII (1968), hrsg. v. Leo Baeck Institute, London, Jerusalem, NewYork, S. 235 bis 273. Zurück
  22. Vgl.: Herbert A. Strauss (ed.), Jewish Immigrants of the Nazi Period in the USA, Vol. 1. New York, München, London, Paris 1979, Vorwort, S. XIX-XXII . Zurück
  23. Zur Akkulturation und Integration der Einwanderer in den USA vgl.: Strauss, in: Biographisches Handbuch, S. XXVII-XXXIII. Zurück
  24. Die Informationen entstammen dem Briefwechsel mit Arnold Weiss von 1988 sowie einem Interview mit Arnold und Ruth Weiss vom 24. Mai 1988. Zurück
  25. Nach schriftlichen und mündlichen Auskünften von Lotte Kramer, geb. Wertheimer, England. Zurück
  26. Die Informationen entstammen einem Interview mit Cäcilie Weis, geb. Selig, vom 18. Juni 1988. Zurück
  27. Auszüge aus den schriftlichen Erinnerungen von Renata Schwarz geb. Rosenthal, veröffentlicht unter dem Autorennamen und Titel: Renee Rosen, It Happenend in Three Countries. New York 1979. Ins Deutsche übersetzt und gekürzt von Hedwig Brüchert-Schunk. Zurück
  28. Die Informationen entstammen einem Interview mit Gertrude Meyer-Jorgensen, geb. Salomon, vom 11. Juli 1988. Zurück
  29. Dr. Eugen Mannheimer, Oberstudienrat und vertretender Direktor der Oberrealschule in 1933 entlassen, ab 1934 Leiter der jüdischen Bezirksschule. Selbstmord im November 1938. Zurück