0.Von Heiligenroth nach Amerika
Misserfolge in der Landwirtschaft und fehlende Perspektiven führten dazu, dass im 19. Jahrhundert zahlreiche Westerwälder Richtung Amerika auswanderten. Die Auswanderer nahmen kostspielige als auch strapaziöse Überfahrten in Kauf und verbanden mit der neuen Heimat die Hoffnung auf bessere Lebensbedingungen. Sie haben oftmals die bäuerlichen Tätigkeiten dort fortgesetzt, wurden sesshaft und erreichten häufig den gewünschten Wohlstand, aber nicht alle Auswanderer fanden das erhoffte Glück in der neuen Heimat.
Auch Familie Johann Peter Ressmann aus dem beschaulichen Heiligenroth traf 1845 die sicherlich nicht einfache Entscheidung, die alte Heimat zu verlassen und auszuwandern. Johann Peter Ressmann war zum Zeitpunkt der Auswanderung bereits 53 Jahre alt und von Beruf Landwirt.
Familie Ressmann startete am 02. September 1845 in Heiligenroth und schiffte am 13. September in Antwerpen Richtung Amerika ein. Die Überfahrt mit dem Segelschiff Straba dauerte über zwei Monate. Am 20. November erreichte das Schiff den Zielhafen Galveston in Texas. Von dort ging es über Indianola nach Fredericksburg. In Fredericksburg lebte die deutsche Auswanderin Clara Feller – Tochter von Johann Peter und Margarethe Ressmann – bis zu ihrem Tod im Januar 1930.
Die Zeit, in der Clara Feller in Texas lebte, war geprägt von Strapazen, Cholera-Epidemien, Konflikten mit Indianern, dem amerikanischen Bürgerkrieg, in dem Deutsche – die entschieden gegen die Sklaverei waren – von Verbrechern gelyncht und betrogen wurden. Ihr Ehemann, William Feller (geb. 05.02.1826 in Dillenburg), war ein deutscher Einwanderer, der in Dillenburg als Bierbrauer und Wirt arbeitete. Er reiste 1845 mit seiner Mutter Maria und dem Bruder Karl auf dem Schiff Brig Semiramus (alias Arminius) von Bremen nach Galveston /Texas. In Texas war er Friedensrichter und als solcher ein Mann von Bedeutung in unmittelbarer Nachbarschaft von Fredericksburg.
Die nachfolgende Erzählung „Die Spuren einer Pionierin“ ist ein Auszug aus dem Buch „Deutsche Pioniere in Texas“ von Don H. Biggers. Das Buch ist 1925 in Fredericksburg / Texas erschienen. In Kapitel V des Buches wird die tragische Geschichte von Clara Feller (geb. Ressmann), die im Westerwald geboren wurde, erzählt. 1995 wurde dem damaligen Bürgermeister von Heiligenroth, Paul Günther Zerfas, die Geschichte der Auswanderin zugetragen. Er übersetzte „Die Spuren einer Pionierin“ und veröffentlichte diese in geraffter Form im Amtsblatt der Verbandsgemeinde Montabaur.
1.1.Die Spuren einer Pionierin
In Begleitung von Schriftsteller Herr Wehmeyer besuchte ich Frau Clara Feller in ihrem Haus im südwestlichen Teil von Fredericksburg. Es ist ein einfaches Blockhaus mit zwei Zimmern. [….] Der Boden sah aus, als wäre er irgendwann lasiert und poliert worden. Ich habe erfahren, dass dieses Aussehen das Ergebnis jahrelanger Nutzung ist. Frau Feller, 92 Jahre alt, ist wahrlich eine Heldin der Pionierzeit. Sie spricht nur wenig Englisch und sie ist einer dieser Menschen, die ein tiefes, aufrichtiges Lächeln auf den Lippen haben, wenn man sie trifft. Da sie nicht in der Lage war, sich in meiner Sprache zu unterhalten, und den Zweck meines Besuchs nicht kannte, gelang es ihr nicht, mir das Gefühl zu geben, herzlich willkommen zu sein. Sie spricht schnell, denkt klar und macht nur gelegentlich kleine Pausen, um sich an ein Ereignis vor vielen Jahren zu erinnern.
Ihre Seele ist durch Widrigkeiten göttlich geworden, ihr ganzes Lebenswerk ist Zeugnis einer bewundernswerten und edlen Mutterschaft. Ich war von ihrer liebenswürdigen Art so beeindruckt, dass ich Herrn Wehmeyer ausdrücklich gebeten habe, ihre eigenen Worte so genau wie möglich wiederzugeben. Das hat er getan. Nur einmal zeigte sie Anzeichen von Trauer, und zwar während der Erzählung über die Ermordung ihres Mannes. Aber auch dann gab es in keinem Augenblick einen Ton oder einen Ausdruck von Bitterkeit.
Frau Clara Feller selbst führt an:
„Ich wurde am 12. Dezember 1832 in Heiligenroth, Amt Montabaur, Nassau (eine Provinz Preußens) geboren. Mein Vater war Johann Peter Ressmann. Aus einer früheren Ehe hatte meine Mutter einen Sohn, und sein Name war Johann Adam Rehberg.
1845 verließen wir Deutschland auf einem Auswandererschiff und erreichten Indianola im September 1845. Ich war damals dreizehn Jahre alt. Zu unserer Familie gehörten mein Vater, meine Mutter, ein Bruder, mein Halbbruder, eine Schwester und ich, wobei ich die Jüngste war.
Mutter starb kurz, nachdem wir Indianola erreicht hatten. Vater war kein armer Mann. Er erwarb zwei Maultiergespanne und half, Einwanderer nach Fredericksburg zu befördern. Mein Bruder half ihm bei dieser Arbeit. Meine Schwester und ich waren die meiste Zeit allein, während sie auf Tour waren. Über achtzehn Monate bleiben wir in Indianola.
Als wir Ende 1846 Fredericksburg erreichten, grassierte dort diese schreckliche Epidemie. Nach unserer Ankunft gab es nur noch wenige Todesfälle durch Cholera.
Unser Haus lag im äußersten Westen der Stadt. Gleich nach unserer Ankunft begannen meine Schwester und ich mit beachtlichem Stolz, unser neues Haus so schön und gemütlich zu gestalten, wie es die Umstände erlaubten. Es war für uns eine große Freude, den miserablen Bedingungen, der Einsamkeit und dem Elend, die uns in Indianola umgeben hatten, zu entfliehen.
Nachdem wir etwa ein Jahr in Fredericksburg lebten, brach mein Vater nach Bastrop auf, um eine Ladung Mais zu holen. Er starb unterwegs. Wir Kinder waren nun allein auf uns selbst gestellt, wir mussten ohne den Beistand und Schutz des Vaters auskommen.
In der damaligen Zeit waren die Indianer etwas zu aufdringlich, insbesondere seitdem Herr Meusebach einen Vertrag mit ihnen geschlossen hatte. Es schien so, als ob sie ihre ganze Freizeit in der Stadt verbringen würden. Meine erste Erinnerung an die Indianer datiert aus der Zeit kurz nach unserer Ankunft in Fredericksburg. Ein großer Häuptling kam mit etwa 500 Kriegern, Frauen und Kindern in die Stadt. Sie saßen alle zu Pferd und ritten mit viel Prunk durch die ganze Stadt. Das Haupthaar des Häuptlings schien nicht lang genug, deshalb hatte er den Schweif eines Pferds hinein geflochten. Ich hatte immer den Verdacht, dass die Absicht der Indianer darin bestand, uns mit ihrer Zahl und militärischen Stärke zu beeindrucken. Vielleicht war das alles auch nur ein übertriebener Ausdruck der Freundschaft. Doch manchmal hatten die Indianer eine Art an sich, alles mitzunehmen, das leicht zu bekommen war und sie sagten noch nicht einmal Danke dafür.
Eines Tages, als ich allein zu Hause war, kam ein großer Indianer herein. Ich hatte gerade Brot gebacken und war überaus stolz darauf. Es war ein wahrer Genuss für meine müden Leute, wenn sie von der Arbeit kamen. Ich hatte schreckliche Angst, als der Indianer einfach hereinkam. Ich wusste nicht, ob ich schreien, weglaufen oder mich verstecken sollte. Der große Kerl musterte alles, sah mein Brot, nahm es und ging damit davon. Meine Angst verwandelte sich in hilflose Wut. Hätte ich über genug Kraft verfügt, hätte ich als Warnung für andere den Skalp dieses Indianers an die Eingangstür gehängt. Das Ausmaß des Verbrechens kann man sich nur vorstellen, wenn man sich die große Knappheit von Brot, die zur damaligen Zeit in Fredericksburgs herrschte, vor Augen führt.
Ich heiratete William Feller, als ich achtzehn Jahre alt war. Er war ein fleißiger und sehr intelligenter junger Mann. Bald nach unserer Hochzeit kauften wir Land von einer Gruppe namens Ingram. Dieses Land lag etwa fünfzehn Meilen von Fredericksburg entfernt. 1853 zogen wir dorthin und bauten ein kleines Haus. Durch harte Arbeit hatten wir bald einen Großteil des Landes gerodet, eingezäunt und bewirtschaftet. Für das Land zahlten wir 400 Dollar. Wir waren so glücklich und zufrieden, wie man es sich nur wünschen konnte, als sich die große Tragödie meines Lebens ereignete.
William und ich waren dreizehn Jahren verheiratet und hatten sieben Kinder. Das älteste Kind war zwölf Jahre alt, als diese Tragödie, bzw. besser gesagt eine Reihe von Tragödien, über uns hereinbrach. Mein Ehemann war ein überzeugter Gegner der Sklaverei und zögerte nicht, seine Meinung zu diesem Thema zum Ausdruck zu bringen. Er äußerte sich auch freimütig zu verschiedenen Gräueltaten, die in unserer unmittelbaren Nachbarschaft von bewaffneten Mobs begangen wurden. Er wurde deshalb gewarnt und bedroht. Seine Rolle als Friedensrichter hatte in unserer unmittelbaren Nachbarschaft eine gewisse Bedeutung.
Die Indianer verursachten eigentlich nie richtigen Ärger, bis der Krieg zwischen den Nord- und Südstaaten ausbrach. Von diesem Zeitpunkt waren sie eine allgegenwärtige Gefahr.
Mein Mann und andere Männer hatten den Tag damit verbracht, nach einigen Indianern Ausschau zu halten, die in der Umgebung gesichtet worden waren. An diesem Abend kam er spät nach Hause. Er stellte sein Gewehr zur Seite. Wir saßen gerade beim Abendbrot, als eine Handvoll Männer angeritten kam und nachfragte, ob William Feller hier wohne und ob er zu Hause sei. Mein Mann ahnte vielleicht nicht die wirkliche Gefahr, erhob sich vom Tisch und sagte ihnen, sein Name sei William Feller.
„In Ordnung“, antwortete der Anführer, „Sie sind verhaftet!“
„Warum das, und wo ist Ihr Haftbefehl?“, erkundigte sich mein Mann.
„Kümmern Sie sich nicht um den Haftbefehl! Das ‚Warum‘ werden Sie schon erfahren, wenn Sie an dem Ort ankommen, zu dem wir Sie bringen,“ war die Antwort des Anführers.
In diesem Augenblick betraten sie das Haus und nahmen meinen Mann fest.
Ich war nicht zu sehr geschockt, dass ich nicht gewusst hätte, was das bedeutete. Ich beschloss, einen verzweifelten Versuch zu unternehmen, meinem Mann jede erdenkliche Hilfe zu leisten oder ihm zumindest die Möglichkeit zu geben, sich zu verteidigen. Es gelang mir, an die Stelle zu gelangen, wo er seine Pistole abgelegt hatte. Ich versteckte sie unter meiner Schürze und versuchte sie ihm zu übergeben.
Einer der Männer – ein kräftiger Kerl – sah, was ich tat. Er packte mich am Arm und riss mir die Pistole aus der Hand. Dann bat und flehte ich, meinem Mann begleiten zu dürfen. William aber bestand darauf, dass ich bei den Kindern bleiben sollte. Er versicherte mir, es würde schon alles gut gehen. Er umarmte einen jeden von uns und ritt davon, umgeben von seinen Entführern. Das war das letzte Mal, dass ich ihn lebend gesehen habe. Spät in der Nacht erhielt ich die Nachricht, dass Herr Peter Burg durch einen Rückenschuss getötet worden sei. Mein Mann und zwei weitere Männer, ein Herr Blank und ein Herr Kirchner, waren an einem Ast eines Baumes aufgehängt worden, nicht sehr weit von unserem Haus entfernt.
Dies war eine der Tragödien des Krieges. Die kriminellen Täter waren verrohte Menschen, deren Seelen verdorben und deren Verstand vergiftet von Hass.
Wir hatten die Bedingungen unseres Vertrags mit den Indianern eingehalten, aber nur weil sie das Gefühl hatten, dass die Regierung ihnen Unrecht getan hatte, kamen sie zurück, um uns auszurauben, zu ermorden und zu schikanieren. Wir konnten uns gegen die Indianer verteidigen, aber nicht gegen diese weißen Männer der beschriebenen Art. Wenn wir einen Indianer sahen, wussten wir, dass es an der Zeit war, wegzurennen, sich zu verstecken oder zu kämpfen. Sahen wir eine Gruppe weißer Männer, wussten wir nicht, ob sie Freunde oder Feinde waren, bis es dann vielleicht zu spät war.
Ich habe wegen dieser Verbrechen nie Hass gehegt. Es waren Tragödien des Krieges. Frauen und Kinder leiden immer am meisten, wenn Männer ihrem Hass frönen und in den Kampf ziehen. Aber selbst diese Mörder waren nicht so gemein wie dieser Schuft, auf dessen Vorschlag hin wir unser Haus kauften. Dieser Unmensch, so erwies es sich später, verkaufte uns etwas, das ihm nicht gehörte. Er war ein ausgesprochener Lump!
Nach dem Tod meines Mannes bemühte ich mich zusammen mit meinen Kindern, dass es weiterging; ich arbeitete hart und es gelang mir sogar eine Kleinigkeit zu sparen. Eines Tages kam der wahre Eigentümer des Grund und Bodens und verlangte, dass ich ihm dreihundert Dollar dafür zahle. Diesen Betrag konnte ich natürlich nicht bezahlen. Also nahm er nicht nur das Land, sondern auch das gesamte Getreide, das wir angebaut und geerntet hatten.
Der Schurke Ingram hatte etwa zweitausend Morgen für 2 Dollar pro Morgen verkauft. Nach dem Verkauf des Landes verließ Ingram das Land und man hörte nie wieder etwas von ihm. Einige Käufer, wie ich, waren nicht in der Lage oder nicht bereit, das Land ein zweites Mal zu bezahlen, und verloren es daher. Andere leisteten die zweite Zahlung. Doch später kam ein weiterer Kläger und forderte zum dritten Mal die Zahlung.
Kurz nachdem ich meine Farm und Hab und Gut verloren hatte, beschloss ich, mit den Kindern nach Fredericksburg zurückzukehren. Alles, was mir noch geblieben war, das waren meine Kinder, – das älteste war noch keine dreizehn Jahre alt – ein paar Sachen für den Haushalt und ein überfälliger Schuldschein über ca. 100 Dollar, den mir mein Vater hinterlassen hatte. Herr Emil Wahrmund kaufte ihn mir ab. Ich weiß nicht, ob der Schuldner des Scheins jemals dafür bezahlt hat oder nicht. Ich weiß nur, dass Herr Wahrmund mir gegenüber nie etwas davon gesagt hat.
Von diesen hundert Dollar kaufte ich dieses Haus. Seitdem lebe ich hier, erzog und umsorgte meine Kinder, so gut ich konnte. Ich schäme mich nicht für diese Tätigkeit. Meine Kinder waren sehr gut zu mir und ich meine, dass ich allen Grund habe, stolz auf sie zu sein.
Ich wusch und nähte für andere Leute und machte einfach alles, was ich an Arbeit bekommen konnte. Die Kinder, selbst die jüngeren, gingen mir dabei zur Hand.
Was haben wir zum Vergnügen gemacht? Nun ja, ich war zu sehr mit meinen Haushaltspflichten und Sorgen beschäftigt, selbst als ich noch ein kleines Mädchen war, um an Vergnügungen zu denken. Ich nehme an, dass die meisten Mädchen in diesen frühen Tagen so aufwuchsen. Bestimmte Funktionäre des Adelsvereins, hatten früher fröhliche Zeiten. Sie veranstalteten teure Feste, während der Rest der Menschen litt. Ich habe nur gehört, dass sich die älteren Leute darüber bitter beschwert haben. Es scheint, dass Herr Meusebach über diese Taten sehr verärgert war, aber er konnte dem nicht Einhalt gebieten. Diese extravaganten Menschen blieben nicht lange hier und ihre Taten gerieten bald in Vergessenheit.
Als ich dieses Haus kaufte, waren die Böden noch aus gestampftem Lehm. Zu dieser Zeit besaß mein Schwager Louis Wahrmund ein größeres Gebäude, das als Tanzlokal und für andere Veranstaltungen genutzt wurde. Als er dieses Gebäude vergrößerte, gab er mir die gebrauchten Fußbodenbretter, die jetzt im Boden dieses Hauses stecken. Es waren Eichenbohlen und man muss wissen, dass diese genauso gut waren wie neue, denn sie waren nicht genagelt. Sie waren so hart, dass man keinen Nagel hineinschlagen konnte. Sie waren von den Mormonen geschnitten worden, die südlich von Fredericksburg ein Sägewerk betrieben. Diese Bretter dienten viele Jahre im Tanzsaal und verrichten seit fast sechzig Jahren auf diesem Boden ihren Dienst. Wie Sie sehen, sind sie nicht abgenutzt, sondern weisen eine Glasur auf, die das Ergebnis langjähriger Nutzung und Schuhsohlenpolitur ist.
Nun, im Dezember 1924, war ich schon 92 Jahre alt und kann ohne Brille lesen oder nähen. Ich war nie krank, bis ich vor drei Monaten einen Schlaganfall erlitt, der mich mehrere Tage lang bewusstlos machte, von dem ich mich erholt habe und wieder ich selbst bin. Ich könnte meine Hausarbeit wieder selbst erledigen, aber meine Kinder und Enkel bestehen darauf, dass ich mir eine Haushaltshilfe nehme. Da sie eine wirklich liebenswürdige Frau ist, habe ich sie gerne um mich.
Ich bin froh, dass die jungen Leute heute nicht das durchstehen müssen, was ich ertragen musste. Ich freue mich, dass die jungen Leute ein gutes zu Hause haben, ihre Kirchen, Schulen und auch Vergnügungsmöglichkeiten.
Ich hoffe, dass es nie wieder Kriege geben wird. Jeder soll lernen, dass der einzige Weg, glücklich und zufrieden zu leben darin besteht, etwas Sinnvolles zu tun, was andere Menschen glücklicher und die ganze Welt besser macht.“
Der Start in Amerika ist vermutlich nicht so verlaufen, wie es sich Familie Ressmann in der alten Heimat erhofft hatte. Der frühe Verlust der Mutter – gleich nach der Ankunft – und der Tod des Vaters, zwei Jahre später, waren harte Schicksalsschläge für die Auswanderer aus Heiligenroth. Mit gerade 15 Jahren waren Clara Feller und ihre Geschwister Waisen. Clara Feller war 31 Jahre alt, als ihr Mann, William Feller, aufgrund seiner ablehnenden Haltung zur Sklaverei von der „Duff-Bande“ getötet wurde. Von da an stand sie allein mit sieben Kindern in einem fremden Land. Gemäß den Ausführungen in „Die Spuren einer Pionierin“ traf der Verlust von Hab und Gut sie schwer und sie erholt sich erst spät davon.
Siebzehn weitere Familien aus Heiligenroth folgten in den Jahren 1845 bis 1868 Familie Ressmann nach Amerika. Familie Johann Meurer wagte 1845 den Schritt der Auswanderung sogar mit acht Kindern. Johann Meurer und vier seiner Kinder starben während der Cholera-Epidemie 1847 - 1850 in der neuen Heimat.
2.2.Auswanderer aus Heiligenroth nach Amerika in den Jahren 1845 bis 1868
| 1845 | Ressmann Johann Peter (53) und Ehefrau Margaretha (55) und Kinder Susanne (17), Clara (13), Christian (10) | 5 (TX |
| 1845 | Manns Johann Peter | 1 (TX) |
| 1845 | Ressmann Caspar (20) | 1 (TX) |
| 1845 | Johann Peter Metzner | 1 (TX) |
| 1845 | Meurer Johann (46) und Ehefrau Barbara (45) und Kinder Margaretha (21), Catharina (19), Maria (18), Jacob (16), Susanne (14), Joseph (12), Peter (10), Adam (6) | 10 (TX) |
| 1852 | Schughart Mathias und Familie | 4 (NA) |
| 1854 | Bierenfeld Johann Peter Witwe und Kind | 2 (A) |
| 1854 | Herbst Christian Witwe und 2 Kinder | 3 (NA) |
| 1854 | Meurer Johann IV und Familie | 4 (NA) |
| 1854 | Müller Johann II und Familie | 2 (NA) |
| 1854 | Müller Joseph und Familie | 4 (A) |
| 1854 | Schmitt Andreas Witwe und Familie | 3 (A) |
| 1854 | Seidemann Andreas und Familie | 4 (A) |
| 1854 | Seidemann Mathias Witwer und Kinder | 3 (A) |
| 1854 | Seidemann Peter Witwe und Kinder | 3 (A) |
| 1858 | Fein Kaspar Witwe und 2 Kinder | 3 (NA) |
| 1859 | Bast Mathias und Familie | 4 (NA) |
| 1868 | Wagner Christian | 1 (A) |
3.3.Nachweis
Verfasser: Rüdiger Ortseifen
Erstellt am: 04.03.2026
Verwendete Literatur
- Don H. Biggers, German Pioneers in Texas. A Brief History of Their Hardships, Struggles and Achievements, Don Hampton 1925, online unter : University of North Texas Libraries, The Portal to Texas History, https://texashistory.unt.edu/ark:/67531/metapth29394/m1/79/?q=HOOKS
- Deutsch-Texanische-Gesellschaft (DTG) Montabaur
- Passagierlisten Barque Straba und Brig Semiramus von 1845
- Dorfchronik von Heiligenroth 1987
- Von Dillenburg nach Texas – Die Auswanderung im Amt Dillenburg 1845-1846 erschienen im Jahr 2000
